Lachen über die eigene Scheidung: Stand-up-Comedy als Therapie

Ein unglücklicher Ehemann findet Trost als Stand-up-Comedian: Wohlfühl-Scheidungskomödie mit Twist.
Will Arnett

Wann ist der richtige Augenblick, den Kindern zu sagen, dass sich die Eltern trennen? Sicher nicht, wenn sie gerade schlafen. Also lieber noch einmal verschieben.

Lange galten Alex und Tess Novak als Traumpaar, doch diese Zeiten sind vorbei. Die Trennung wurde einhellig beschlossen. Tess bleibt in dem schönen Haus im Vorort von New York, Alex nimmt sich eine Wohnung in Manhattan. Die Kinder – endlich in die neuen Umstände eingeweiht – übernachten gerne beim Vater. Niemand erhebt die Stimme. Alle sind traurig über die Situation, bleiben aber zivilisiert und vernünftig.

Wenn es so etwas wie eine Feel-Good-Scheidungskomödie gibt, dann ist es die von Bradley Cooper. In seiner dritten Regiearbeit nach „A Star Is Born“ mit Lady Gaga und „Maestro“ über Leonard Bernstein seziert der „Hangover“-Schauspieler mit zarter Hand den Zerfall einer Ehe. Während Noah Baumbach in seinem Scheidungsdrama „Marriage Story“ das trennungswillige Pärchen in die schmerzhafte Paartherapie schickte, wählt das Drehbuch von Cooper einen anderen – komischen – Weg: Auf dem Nachhauseweg in die neue Wohnung kommt Alex bei einer Bar vorbei, in deren Keller ein Comedy-Club ist. Eintritt: 15 Dollar. Leider hat er kein Geld dabei, darf aber gratis eintreten unter der Bedingung, dass er selbst als Stand-up-Comedian auftritt. Gesagt, getan.

Alex stellt sich vor das Publikum und beginnt mit dem Satz: „Ich glaub’, ich lasse mich scheiden.“ Gelächter. 

Alex fängt Feuer.

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Bradley Cooper (li.) ist Regisseur und bekiffter bester Freund in "Is This Thing on?“

Es bleibt nicht bei diesem Auftritt. Immer wieder kehrt er in den Comedy-Club zurück und verpackt Details aus seinem Privatleben in bittersüße Show-Routinen. Als Tess durch Zufall eines Abends zur Tür hereinkommt, hört sie, wie er von einem Sex-Abenteuer mit einer anderen Frau erzählt und damit endet: „Ich habe meine Ex-Ehefrau vermisst.“

Verschüttete Milch

Die Stärke von Bradley Coopers Tragikomödie liegt vor allem bei seinen herausragenden Hauptdarstellern Will Arnett und Laura Dern, deren Zusammenspiel als Alex und Tess von großer Selbstverständlichkeit geprägt ist. Freunde und Eltern sind ebenfalls exzellent besetzt, nicht zuletzt mit Bradley Cooper selbst: In einer bekifften Nebenrolle stolpert er gleich bei seinem ersten Auftritt ins Zimmer und verschüttet dabei einen Liter Milch über den Teppich.

Will Arnett und Laura Dern.

Ex-Traumpaar: Will Arnett und Laura Dern in "Is This Thing On?“

Viel Handkamera mischt sich unter das exzellente Schauspiel-Ensemble und schafft intime, aber auch angenehm lose Momente in den unterschiedlichen Milieus – sei es der New Yorker Comedy-Club oder im bürgerlichen Long Island. Die anstehende Scheidung von Tess und Alex bringt Dynamik in die Verhältnisse ihrer Umgebung und stellt auch andere Paare auf die Probe.

Richtig weh tut es aber nie: Cooper versteht es, den Schmerz in wohltemperierten Dosierungen zu verabreichen und mit Weltweisheit zu kalmieren. Selbst „Happy Together“, das Credo jeder Beziehung, erfährt bei ihm einen komischen Twist: Warum nicht einfach „Unhappy Together?“

INFO:  USA 2026. 121 Min. Von und mit Bradley Cooper. Mit Will Arnett, Laura Dern.

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