Intendantin des Vorarlberger Landestheaters gekündigt
Der Vertrag der seit Mitte Mai freigestellten Intendantin des Vorarlberger Landestheaters, Stephanie Gräve, wird vorzeitig beendet. Wie die Vorarlberger Kulturhäuserbetriebsgesellschaft (KuGeS) am Dienstag mitteilte, habe der Aufsichtsrat einstimmig beschlossen, vom vertraglich vereinbarten Kündigungsrecht Gebrauch zu machen. Das Vertrauensverhältnis sei nachhaltig zerrüttet. Gräve hatte KuGeS-Geschäftsführerin Monika Wagner angezeigt; die Ermittlungen wurden eingestellt.
"Mit der Strafanzeige gegen die Geschäftsführerin der KUGES wurde eine Eskalationsstufe erreicht, die einen gemeinsamen Weg bis Vertragsende unmöglich macht", so Aufsichtsratsvorsitzende Landesrätin Barbara Schöbi-Fink in einer Aussendung.
Wagner war am 10. Mai von Gräve angezeigt worden, weil sie bei einer Vertragserstellung unerlaubterweise die digitale Unterschrift Gräves verwendet haben soll. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war "kein Vorsatz nachweisbar". Demnach konnte die Ermittlungsbehörde offenbar ein unbeabsichtigtes Versehen bei Verwendung der Signatur nicht ausschließen. Die Ermittlungen wurden eingestellt.
Interimistische Intendanz soll bald bestellt werden
Nach der Anzeige hatte das Land Gräve bei vollen Bezügen per sofort freigestellt, weil die "notwendige Vertrauensbasis für eine weitere professionelle Zusammenarbeit" nicht mehr gegeben war, wie es hieß. Nun sei der Aufsichtsrat einstimmig zur Überzeugung gelangt, dass die Kündigung zum jetzigen Zeitpunkt notwendig sei, um den Mitarbeitenden Sicherheit und eine Perspektive noch vor Spielzeitende zu geben, so Schöbi-Fink. Ihr sei es aber wichtig zu unterstreichen, "dass wir die Arbeit von Stephanie Gräve in den letzten Jahren geschätzt haben. Sie hat das Vorarlberger Landestheater künstlerisch geprägt und wichtige Impulse gesetzt."
Bis Vertragsende bleibt Gräve dienstfreigestellt. Für 2026/27 und 2027/28 will die KuGes rasch eine interimistische künstlerische Leitung bestellen. Die bereits beschlossene Ausschreibung für die Intendanz ab der Spielzeit 2028/29 werde wie geplant vorbereitet und durchgeführt.
Nichtverlängerung des Vertrages sorgte für Irritation
Das Verhältnis zwischen Gräve und der KuGes bzw. dem Land Vorarlberg galt spätestens seit März als zerrüttet. Damals wurde bekanntgegeben, dass Gräves Vertrag nicht verlängert werde und "ein guter Zeitpunkt für neue Impulse" gekommen sei. Die 1968 geborene Deutsche hätte bis 2030 weitermachen wollen. Der Vertrag von Gräve, die das Vorarlberger Landestheater seit 2018 leitete, wäre noch bis 31. Juli 2028 gelaufen. Die Nicht-Verlängerung, vor allem die Art ihrer Kommunikation, hatte in Vorarlbergs Kulturszene, bei der Landtagsopposition sowie bei den Intendanten und Intendantinnen der österreichischen Landes- und Städtetheater für Irritation gesorgt.
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