Hilde Dalik: Selbstironisch, souverän und manchmal auch tragisch
Hilde Dalik erhält zum Auftakt der Diagonale in Graz den Großen Schauspielpreis.
Damit hatte Hilde Dalik nicht gerechnet, als sie einen Anruf von der Diagonale erhielt. Den Großen Diagonale-Schauspielpreis?
„Ich dachte, es ist vielleicht eine Anfrage, die Eröffnung zu moderieren, wie auch schon vor zwei Jahren“, erinnert sie sich im KURIER-Gespräch an das Telefonat. Stattdessen teilte ihr der Festivalleiter Dominik Kamalzadeh mit, dass sie den Großen Schauspielpreis erhalten würde: „Das war die größte Überraschung! Und es hat mich sehr gefreut.“
Umso mehr, als Hilde Dalik das Festival des österreichischen Films in Graz, das Mittwoch Abend eröffnet wird, ganz besonders mag: „Ich bin sehr gern dort. Es ist wie ein Film-Familien-Treffen.“
Hilde Dalik sitzt vor einer Teetasse in einem Wiener Lokal und studiert die Zuckersäckchen, auf denen Sternzeichen und ihre Charaktereigenschaften abgebildet sind. Sie selbst ist Zwilling: „Ich bin sportlich, neugierig und kommunikativ“, liest sie laut vor – und grinst: „Kann man alles so nehmen.“ Nein, natürlich glaubt sie nicht an Sternzeichen, aber unterhaltsam ist es trotzdem.
Hilde Dalik: "Ich bin die erste Gattin des Bergdoktors."
Das breite Publikum kennt Hilde Dalik in erster Linie aus dem Fernsehen – und da vor allem aus den „Vorstadtweibern“ als intrigante Vanessa Schwarz – eine Rolle, für die sie mit einer ROMY ausgezeichnet wurde. Nochmals verstärkt hat sich ihr Bekanntheitsgrad durch ihren Einstieg in die ZDF-Serie „Der Bergdoktor“ an der Seite von Hans Sigl. Dort ist sie „die Frau mit dem Hörgerät, Karin Bachmeier“, sagt die 1978 in Wien geborene Schauspielerin. Eigentlich war es eine Episodenhauptrolle für die 16. Staffel; doch dann wurde sie gefragt, ob sie nicht Lust hätte, in weiteren Folgen aufzutauchen: „Es wurde immer mehr. Am Ende hat meine Figur den Bergdoktor geheiratet. Er hatte davor schon einige Freundinnen, aber ich bin die erste Gattin des Bergdoktors.“
Und ja, sie spiele diese Rolle gern, sagt Hilde Dalik: „Es ist wurscht, ob man Kino oder Fernsehen macht. Man erwartet von sich selbst immer alles und gibt hundert Prozent. Nur weil es Fernsehen ist, spielt man ja nicht schlechter.“
Tatsächlich ist sie praktisch in jeder Rolle gut, egal ob Film oder Fernsehen. Nicht umsonst wurde ihr von der Preis-Jury der Diagonale „unverwechselbarer Humor und Vielseitigkeit“ attestiert.
Eine Dekade lang spielte Dalik am Theater in der Josefstadt – „und das war ein wichtiges Training für alles. Man lernt ganz viele Dinge, die man auch im Leben braucht. Empathie zum Beispiel.“
Lernen fürs Leben: Empathie, zum Beispiel.
Seit damals hat sich vieles geändert – gerade auch, was das Verhalten gegenüber Frauen betrifft: „Damals waren Dinge normal, wo man heute sagen würde: Da muss man sich doch dagegen wehren.“ Ihre Zusammenarbeit mit Granden wie Otto Schenk oder Helmuth Lohner aber hat sie in bester Erinnerung.
Komödien-Talent
Ihre großen Comedy-Skills stellte Hilde Dalik bereits in Michael Glawoggers surrealem Drogenlustspiel „Contact High“ unter Beweis: Selbstironisch und souverän zugleich spielt sie darin an der Seite einer chaotischen Buben-Truppe – darunter Michael Ostrowski, ihrem Lebenspartner. Mit ihm gemeinsam ist sie auch in der Gaunerkomödie „Der Onkel – The Hawk“ zu sehen, wo ihre gemeinsame kleine Tochter einen Baby-Auftritt hat.
Aber auch in Komödien wie Eva Spreitzhofers „Womit haben wir das verdient?“ und „Wie kommen wir da wieder raus?“ macht Dalik selbst kleine Rollen mit ihrem komischen Talent unvergesslich.
Dass sie auch ganz anders kann, zeigte sie in „Sargnagel – Der Film“, wo sie als versoffene Freundin Mercedes gegen den Typus der „netten, blonden Frau“ anspielt. In dem Drama „Perla“ von Alexandra Makarová ist sie die traurige, verlassene Freundin von Simon Schwarz. „Das war eine ungewöhnliche Rolle und ich fand es super, dass ich damit besetzt wurde“, findet die Schauspielerin und meint: „Es braucht immer jemanden, der etwas anderes in einem sieht. Ich bin auch gern die tragische Figur. Und ich freue mich immer, wenn ich etwas anderes spielen kann.“
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