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Neues Album von Get Well Soon: Musik aus der Zettelkiste

Auf seinem neuen Album „Minus the Magic“ besingt Konstantin Gropper von Get Well Soon goldene Klos und Traumgitarren.
Ein Mann im pinken Anzug steht auf einem hellblauen Podest in einer herbstlichen Landschaft und hält eine Taube.

Sechs Millionen Dollar war die Toilette aus 18-Karat-Gold wert, die 2019 aus dem britischen Blenheim-Palace gestohlen wurde. Diesen Raub greift Konstantin Gropper, der Mann hinter dem Musikprojekt Get Well Soon, im Song „The Golden Toilet Heist“ auf.

„Ich habe das in einem BBC-Bericht gesehen“, erzählt Gropper im KURIER-Interview. „Die Toilette war Teil einer Ausstellung von Maurizio Cattelan, der bekannt für seine kunstironischen Werke ist. Man konnte sie dort auch benutzen. Die Räuber wurden zwar gefasst, aber die Toilette nie gefunden. Das fand ich absurd und witzig, und es passte perfekt zu dem, was ich für das neue Album machen wollte.“

Dieses heißt „Minus The Magic“ und ist ein Ausreißer im Repertoire des 43-Jährigen, der für seine melancholischen, üppig arrangierten, oft an Filmmusik erinnernden Indie-Songs bekannt ist. Damit wendet Gropper sich nämlich seiner Liebe zum Rock zu. „Ich hatte das schon 2014 mit der EP ,The Lufthansa Heist“ gemacht, war aber nie damit zufrieden, wie die fünf Songs auf der EP klingen. Es fehlte der Drive, den sie haben, wenn wir sie live spielen. Deshalb wollte ich sie mit der Band live im Studio neu aufnehmen und hab für den Titeltrack einen spektakulären anderen Raub gesucht.“

Idol Morricone

„Minus The Magic“ beschränkt sich nicht auf die Neuinterpretation. In sechs neuen Songs geht Gropper auf die Frage ein, die man sich in der Mitte des Lebens stellt: „Wie bin ich dahin gekommen, wo ich bin?“ Für den Filmkomponisten, dessen Musik in Serien wie „How To Sell Drugs Online (Fast)“ oder „Achtsam Morden“ zu hören ist, ist das keine Midlife-Crisis: „Filmkomponist war mein Traumberuf, seit dem ich 13 war. Da habe ich Ennio Morricone gehört und gedacht, das will ich machen. Es war ein Glücksfall, dass sofort, nachdem ich 2008 das erste Album veröffentlicht hatte, die ersten Regisseure auf mich zugekommen sind. Deshalb empfinde ich diese Lebensphase als inspirierend.“

Die „Traum-Gitarre“, die sich Gropper 1999 kaufte, besingt er in dem Song „The Pope Washed My Feet In Prison“: „Ich habe dafür zwei Wochen in einer Fabrik Kühlschränke zusammen gebaut. Das hat gereicht. Es war gut bezahlt, denn es gab Schichtzulage und war Fließbandarbeit. Und Gitarren waren damals auch noch billiger.“

Wütend über Politik

Auch mit den Texten geht Gropper auf „Minus The Magic“ einen anderen Weg. Hatte er früher konzeptuelle, auf Literatur oder Recherche über Vorfälle wie den Toiletten-Raub beruhende Storys erzählt, baut er jetzt – etwa bei „There's Waldo“ – auch auf Zufall und die Cut-Up-Technik von William Burroughs. „Da habe ich mich an Kurt Cobain und Stephen Malkmus orientiert, die eher abstrakte Texte geschrieben haben. Ich habe über Monate kleine Zettel mit interessanten Wörtern und Sätzen in eine Kiste geworfen. Für das Texten habe ich wahllos welche rausgezogen, zusammengebaut und so ergänzt, dass es Bilder ergibt. Ich war erstaunt, wie gut mir das gefallen hat.“

Politisch wird Gropper in dem wütenden Song „When They Cheer You’re Wrong“. Da geht er unter anderen auf die Amtseinführung von Donald Trump als US-Präsident ein. „Dort sind Village People aufgetreten – Ikonen der LGBT-Community. Ich dachte, alle in diesem Publikum der religiösen Rechten müssen die doch hassen. Und warum machen Village People das überhaupt? Der Titel des Songs kommt von dem Tag, als in Deutschland zum ersten Mal mit den Stimmen der AfD ein Gesetz erlassen wurde. Da haben die AfD-Politiker gejubelt und Selfies gemacht. Ich dachte, da müssten sich doch alle anderen Politiker denken, jetzt haben wir was falsch gemacht.“

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