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Kultur

Geiger Toni Stricker gestorben

Der Geiger starb am Mittwoch in seiner Heimatgemeinde Bad Sauerbrunn im 92. Lebensjahr.

02/17/2022, 06:20 AM

Der Geiger Toni Stricker ist tot. Er starb am Mittwoch in seiner Heimatgemeinde Bad Sauerbrunn im 92. Lebensjahr, best├Ątigte B├╝rgermeister Gerhard Hutter (LIBS) am Donnerstag gegen├╝ber der APA einen ORF-Bericht. Stricker hatte mit seiner Geige nicht nur zahllose Musikfreunde begl├╝ckt, sondern durfte f├╝r sich auch in Anspruch nehmen, als Aush├Ąngeschild der "Pannonischen Musik" gleichsam eine Musikrichtung begr├╝ndet zu haben. 2015 hatte er Abschied von der B├╝hne genommen.

Stricker wurde am 4. April 1930 in Wien als Sohn einer musikalischen Familie geboren, in der er fr├╝h kroatische Volkslieder und Wiener Musik kennenlernte. Mit sechs Jahren bekam er ersten Geigenunterricht, mit 16 verlie├č er das Gymnasium, um eine siebenj├Ąhrige klassische Ausbildung am Konservatorium Wien zu absolvieren. Der Jungmusiker stieg 1953 in die Jazzband Vera Auer ein, wo er prominente Mitstreiter wie Joe Zawinul, Hans Salomon oder Attila Zoller hatte. Als Swing-Geiger spielte Stricker mit seinem ersten eigenen Quintett und musizierte etwa bei Fatty Georges "Saloon" und im Wiener Volksgarten.

Komponist, Konzertmeister und hochkar├Ątige Kooperationen

Stricker nahm ganze Serien von LPs auf und verdiente sich als Komponist von Wienerliedern und Tanzmusik erste Sporen, wurde Konzertmeister im Theater an der Wien (bis 1974) und begann eine Reihe von hochkar├Ątigen Kooperationen: Er komponierte, spielte und arrangierte f├╝r Gr├Â├čen wie Peter Alexander, Hans Moser, Paul H├Ârbiger, Helmut Qualtinger, Andre Heller, Erika Pluhar und Shirley Bassey. 1976 beendete er seine T├Ątigkeit als Auftragsmusiker und fing einen neuen Lebensabschnitt an, mit dem er bis heute identifiziert wird: Stricker kehrt ins Burgenland und damit "zu meinem Wurzeln" zur├╝ck, wie er es in seiner Biografie selbst beschreibt: Sein Haus in Bad Sauerbrunn lag nahe dem Geburtshaus des Vaters.

Aush├Ąngeschild der "Pannonischen Musik" 

Im Burgenland besann sich Stricker auf die "Pannonische Musik", seine eigene Mischung aus instrumentalen Reflexionen ├╝ber Natur und menschliche Geschichten. "Andre Heller hat mich damals dazu ermutigt und gesagt: Wenn es keinen Markt gibt, das ist das Beste - weil dann kann man sich einen schaffen und muss nicht einem Trend nachhatschen", erinnerte sich Stricker einst im APA-Gespr├Ąch. Und diese Erschaffung des eigenen Marktes gelang Stricker, erhielt er doch etwa 1981 f├╝r "Pannonische Balladen und Wiener T├Ąnze" den Deutschen Schallplattenpreis. Die LPs "Brot und Wein" und "Ernte" (beide von Heller produziert) standen am Auftakt einer intensiven Schaffensperiode.

Das Spektrum des Umtriebigen blieb zugleich gro├č und erstreckte sich auch in dieser Phase von B├╝hnenmusiken, ├╝ber eine Zusammenarbeit mit Edita Gruberova unter dem Titel "Dialog" bis zur Musik f├╝r TV-Serien (u.a. "Ringstra├čenpalais"), Fernsehproduktionen und Filme ("Meine Schwester Maria"). Dabei blieb Strickers Wirken bei weitem nicht auf sein Heimatland beschr├Ąnkt. Den Musiker, der 2008 die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold und 2010 den Amadeus Austrian Music Award f├╝r sein Lebenswerk erhielt, f├╝hrten Tourneen nach Italien ebenso wie in die USA, nach Abu Dhabi oder Gro├čbritannien. Viel Zeit verbrachte er auch in S├╝dfrankreich und 2014 ver├Âffentlichte Stricker seine Biografie "Mein Weg nach Pannonien". Am 16. Februar 2022 starb der Geiger.

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