© Burgtheater/Marcella Ruiz Cruz

Kultur mit Kind
10/28/2019

Geht ein Elefant ins Kasino, ist das ganz schön ernstes Kindertheater

Das Burgtheater versteckt im Kasino einen Elefanten, die Staatsoper zeigt wieder „Cinderella“.

von Georg Leyrer

Gleich beim ersten Burgtheaterproduktionsbesuch sucht sich das Kind seinen großen Auftritt. Hat dieser ungute Kerl auf der Bühne soeben wirklich gefragt, wer denn etwas dagegen hätte, dass er den Elefanten mitnimmt?

Mitten in die bedrohliche Generalpause hinein also baut sich das Kind vor dem Sitzplatz auf, Hände in den Hüften, und ruft ins stille Kasino: „Ich hab was dagegen!“

Die umliegenden Besucher sind amüsiert, die Schauspieler machen souverän weiter, und der ausgerufene Satz ist eigentlich ein gutes Zeichen. Denn davor war über zwei Stunden eine ganz schön komplizierte, oft auch ein bisschen gruselig-brutale Geschichte erzählt worden. Die Tochter aber, sie blieb interessiert.

Puppenzauber

„Wie versteckt man einen Elefanten?“, heißt das Stück (ab 7) von Joel Horwood, nach einem Roman von Gillian Cross, und der Elefant hat das Potenzial zum Theaterzaubererwecken bei den kleinen Besuchern.

Als lebensgroße Puppe, geführt von vier Elefantenpuppenzumlebenerweckern, bewegt er sich derart über die Bühne, dass man sofort versteht: Das ist gespielt, und es ist wirklich ein Elefant. Eine Floßfahrt auf der Flucht von Elefant Khush, seiner Besitzerin Cissie und dem Waisenjungen Tad, bei der alle am Schluss im Wasserlicht landen, ist zentraler Schau-Moment.

Waisen-„Jungen“? Ja, gleich zu Beginn werden die „Jungs und Mädchen“ begrüßt, und das stört vielleicht den Papa, die Kinder aber längst nicht mehr.

Die schauen zu, wie Tad einem elefantösen Schwindel auf die Spur kommt, und dann unvermittelt in eine Abenteuerreise durch das Amerika der 1880er gerät.

Was von der Rauheit der Zeit, von religiösem Wahn und US-Bürgerkrieg sich wirklich in die Wahrnehmung der Kinder übersetzt, ist fraglich. Es ist von allem ein bisschen viel, von der Geschichte, von der Handlung, auch von den menschlichen Untiefen, in die das Stück schauen lässt. Man (Regie: Ingo Berk, Bühne: Damian Hitz, Puppendesign: Mervyn Millar) hätte ein bisschen streichen und („Papa, hat der gerade Scheiße gesagt?“) auslassen können.

Aber das Gerüst des Ganzen hält, ein Container wird von den Schauspielern über die Bühne gedreht, wandelt sich in einen Zugwaggon, ein dunkles Schiff, den rettenden Stall, in dem man einen Elefanten verstecken kann.

Am Schluss begeisterter Applaus, insbesondere für Maresi Riegner als Cissie und Leonard Dick als Tad.

Und für den Elefanten.

Aspirin für den König

Am nächsten Tag dann sucht sich ein anderes Kind den großen Auftritt. „Klingt das gut?“, fragt Cinderella von der Bühne in der Walfischgasse herab. Ein Kind antwortet, ehrlich: „Nein!“

Sonst aber spielt die Wiederaufnahme von Alma Deutschers Staatsopern-Kinderproduktion „Cinderella“ alle Stückerln. Die Stiefschwestern sind schrill und singen über Aspirin, im Programmbuch gibt es eine Maske, der Tenor (Pavel Kolgatin) darf ein Mal gesanglich ausholen, und Cinderella (Bryony Dwyer) gewinnt, nicht wegen Äußerlichkeiten, sondern wegen ihres Gesangs. Dem Kind jedenfalls hat beides gleich gut gefallen.

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