Die zweifache Oscarpreisträgerin Frances McDormand reist in ihrem Wohnwagen durch den Westen Amerikas: „Nomadland“

© La Biennale di Venezi/SEARCHLIGHT PICTURES

Kultur
09/12/2020

Filmfest Venedig: Goldener Löwe für US-Drama "Nomadland"

Favroit "Nomadland“ mit der zweifachen Oscarpreisträgerin Frances McDormand in der Hauptrolle gewann den Hauptpreis.

von Alexandra Seibel

Das Beste kam  tatsächlich erst zum Schluss: Der Goldene Löwe des Filmfestivals von Venedig geht an das US-Drama  „Nomadland“, mit der zweifachen Oscarpreisträgerin Frances McDormand in der Hauptrolle. Der amerikanische Beitrag der in China geborenen Regisseurin Chloé Zhao lief als letzter Film im Wettbewerb, sorgte  für ein starkes Finale und heimste auch gleich noch den Hauptpreis ein. 

Allein, dass Zhao die resolute Frances McDormand, berühmt  als schwangerer Sheriff in „Fargo“ oder als rächende Mutter in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, für die Hauptrolle gewinnen konnte, erwies sich als Haupttreffer. McDormand leidet  weder unter besonderer Eitelkeit, noch fürchtet sie sich vor dem Alter.  In ihrer Rolle als Witwe namens Fern befindet sie sich am Rande des Existenzminimums und führt ihr gesamtes Hab und Gut in einem umgebauten Lieferwagen mit sich.

„Ich bin nicht ,homeless‘, ich bin nur ,houseless‘“,  erklärt sie besorgten Bekannten und tritt eine prekäre Reise durch den Westen der USA an. Mit „Nomadland“, gewann übrigens die einzige amerikanische Studioproduktion im Wettbewerb  auf dem Lido den Goldenen Löwen.

Filmtrailer

Ansonsten traf die  Preisjury, zu der auch die österreichische Regisseurin Veronika Franz, der deutsche Regisseur Christian Petzold und Schauspieler Matt Dillon zählten, unter dem Vorsitz von Oscarpreisträgerin Cate Blanchett teilweise recht überraschende Entscheidungen. Der Große Preis der Jury ging ausgerechnet an den mexikanischen Hauruck-Regisseur Michel Franco und seinen brutalen Endzeitthriller „New Order“. Ein Militärputsch in Mexico führt zu Ausschreitungen und Gewaltaktionen, die besonders gegen Ende hin höchst drastische Wendungen nehmen. Michel Franco nutzte seine Dankesrede in Venedig gleich dazu, um einer kichernden Cate Blanchett die Zusammenarbeit  für einen neuen Film anzubieten.

Der Spezialpreis der Jury ging an den russischen Regisseur Andrei Konchalovsky und sein packendes Schwarzweiß-Drama „Dear Comrades“, in dem er von der Niederschlagung eines  Arbeiterstreiks in den frühen 60er Jahren erzählt.

Den Preis für das  beste Drehbuch gewann der indische Jungstar-Regisseur Chaitanya Tamhane für sein faszinierendes Musikerporträt „The Disciple“. In langen, elegischen Einstellungen erzählt er von einem Musiker, der sich in klassisch indischer Musik profilieren will und endlos scheitert.

Den Preis für die beste Schauspielerin erhielt die formidable Vanessa Kirby: Die 32-jährige Britin  – bekannt als Prinzessin Margaret in der Netflix-Serie „The Crown“ und aus „Mission: Impossible - Fallout“– spielte nicht nur eine  verliebte Farmersfrau in  Mona Vastvolds Lesbendrama „The World to Come“; sie  brillierte auch in  Kornél Mundruczós Frauenporträt als trauernde Mutter in „Pieces of a Woman“. Für diese Rolle, die gleich zu Filmbeginn eine 30-minütige Geburtsszene in einer einzigen Filmeinstellung zeigt, gewann Kirby den Coppa Volpi.

Sieger und Verlierer

Als bester männlicher Darsteller wurde der Italiener Pierfrancesco Favino für seine Rolle als linker Richter in dem Terror-Drama „Padrenostro“ ausgezeichnet.

Der japanische Regie-Veteran Kiyoshi Kurosawa wurde für den ersten Historienfilm seiner Karriere, „Wife of a Spy“, einen gediegenen Thriller aus dem Zweiten  Weltkrieg mit dem Preis als bester Regisseur belohnt.
So manche Bewerber, die sich große Chancen ausgerechnet hatten, gingen leer aus. Dazu zählt die österreichische Koproduktion „Quo vadis, Aida?“ von Jasmila Žbanić, das von dem Massaker in Srebrenica erzählt, ebenso wie die akklamierte Doku „Notturno“ des amerikanisch-italienischen Regisseurs Gianfranco Rosi.

Trotz aller pandemischen Widrigkeiten war es  Venedig-Chef Alberto Barbera  gelungen, ein  starkes, globales Arthouse-Programm zusammenzustellen, bei  dem mit acht Regisseurinnen im Wettbewerb mehr Frauen als üblicherweise zum Zug kamen. Die 77. Filmfestspiele von Venedig werden nicht nur wegen Corona  in Erinnerung bleiben. 

Die wichtigsten Preisträger von Venedig

  • Goldener Löwe für den besten Film: "Nomadland" von Chloé Zhao
  •  Großer Preis der Jury: "Nuevo orden" von Michel Franco
  •  Silberner Löwe für die beste Regie: Kiyoshi Kurosawa für "Spy no Tsuma (Wife of a Spy)"
  •  Preis für das beste Drehbuch: Chaitanya Tamhane für "The Disciple"
  •  Preis für die beste Schauspielerin: Vanessa Kirby für "Pieces of a Woman"
  •  Preis für den besten Schauspieler: Pierfrancesco Favino für "Padrenostro"
  •  Spezialpreis der Jury: "Dorogie Tovarischi! (Dear Comrades!)" von Regisseur Andrei Konchalovsky
  •  Marcello-Mastroianni-Preis für den besten Jungdarsteller: Rouhollah Zamani für "Khorshid"
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