Filmemacher und Autor Alexander Kluge 94-jährig gestorben
Alexander Kluge
Der deutsche Filmemacher, Philosoph und Autor Alexander Kluge ist am Mittwoch im Alter von 94 Jahren in München verstorben. Das gab der Suhrkamp Verlag am Donnerstag bekannt. Noch im Februar war Kluge anlässlich einer Werkschau im Filmmuseum und seiner neuen Multimediaausstellung "Nachts träumen die Kulissen von ungesehenen Bildern" im Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste Wien zu Gast in der österreichischen Bundeshauptstadt gewesen und hatte Interviews gegeben.
Dabei hatte er in eloquenten Gesprächen bewiesen, dass er seinen scharfen Blick auf die Gesellschaft behalten hatte. In den 1960er-Jahren war Kluge maßgeblich an der Durchsetzung des "Neuen Deutschen Films" beteiligt, einem gesellschaftskritischen Autorenkino, das sich vom reinen Unterhaltungsspektakel der großen Studios abgrenzte. Er galt als großer Intellektueller und hervorragender, exakt beobachtender Erzähler. Mit seinen Filmen, Büchern und TV-Formaten hat er das deutsche Kulturleben über Jahrzehnte nachhaltig bereichert und geprägt.
Von Fritz Lang zu "Spiegel TV"
Kluge, 1932 in Halberstadt geboren, studierte Jura, Geschichte und Kirchenmusik. Er promovierte und arbeitete zunächst als Rechtsanwalt. 1958 volontierte er bei dem weltberühmten Regisseur Fritz Lang („Metropolis“) und fing bald darauf an, selbst Regie zu führen. 1962 war er einer der Filmemacher, die mit dem „Oberhausener Manifest“ ein Kino der Autoren forderten. Kluge inszenierte Filme wie „Abschied von gestern“, „Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos“ und „In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod“.
1987 war Kluge Mitbegründer der Produktionsfirma dctp, die private Fernsehsender wie Sat.1 oder RTL mit wissenschaftlichen und kulturellen Beiträgen versorgt. Das Magazin „Spiegel TV“ stammt beispielsweise aus seinem Haus. Für seine Bücher und Filme erhielt Kluge unter anderem den Adolf-Grimme-Preis, den Georg-Büchner-Preis, den Heinrich-Heine-Preis sowie den Klopstock-Preis.
Auch im vorgerückten Alter schien Alexander Kluges Begeisterung für Ideen und Herausforderungen, Projekte und Kooperationen ungebremst zu sein. Sein Tatendrang war so imposant wie erstaunlich. "Alles, was einen von der eigentlichen Arbeit ablenkt, muss außen vor bleiben: der eigene Anspruch, die Erwartungshaltung und - natürlich auch - die Eitelkeit. Nur so kann es aus dem Bleistift fließen", sagte er anlässlich seines 90. Geburtstages der dpa.
Kommentare