Berlinale - Keine Entscheidung über Verbleib von Festivalleiterin

Gespräche werden "in kommenden Tagen" zwischen Tricia Tuttle und dem Aufsichtsratsgremium fortgesetzt. Filmschaffende stellten sich hinter Leiterin.
Berlinale - Keine Entscheidung über Verbleib von Festivalleiterin

Bei einer Krisensitzung zur Berlinale ist nach Angaben der deutschen Regierung keine Entscheidung über die Zukunft der Intendantin der Filmfestspiele, Tricia Tuttle, getroffen worden. Zuvor hatten sich zahlreiche Filmschaffende in einem Offenen Brief gegen eine mögliche Abberufung von Berlinale-Chefin Tricia Tuttle ausgesprochen.

"Heute Morgen fand eine Aufsichtsratssitzung der KBB GmbH im Kanzleramt statt. Thema war die Berlinale", teilte ein Sprecher des deutschen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mit. "Die Gespräche über die Ausrichtung der Berlinale werden in den kommenden Tagen zwischen der Intendantin, Tricia Tuttle, und dem Aufsichtsratsgremium fortgesetzt."

Gerüchte über mögliche Ablöse

Weimer hatte die außerordentliche Aufsichtsratssitzung wenige Tage nach Ende der diesjährigen Berlinale einberufen. Die "Bild"-Zeitung spekulierte, dass Tuttle vorzeitig ihren Posten verlassen könnte. Die US-Amerikanerin leitet die Berlinale seit 2024. Während des diesjährigen Festivals hatte es mehrfach Debatten zum Umgang mit dem Gaza-Krieg gegeben.

Rückhalt gaben Tuttle u.a. Hunderte Filmschaffende in ihrem Statement: Sie verfolgten die Debatten mit großer Sorge, heißt es in dem Schreiben, das von einer Filmagentur verschickt wurde und knapp 700 Unterzeichner auflistet, darunter Regisseur Tom Tykwer ("Babylon Berlin"), Schauspielerin Tilda Swinton ("The Room Next Door") und den früheren Jurypräsidenten und Filmemacher Todd Haynes ("Carol"): "Wenn in einer außerordentlichen Sitzung über die Zukunft der Festivalleitung entschieden wird, steht mehr auf dem Spiel als eine Personalfrage. Es geht um den Umgang mit künstlerischer Freiheit und institutioneller Unabhängigkeit."

Debatten zum Umgang mit dem Nahostkonflikt

Während des Festivals hatte es mehrfach Debatten zum Umgang mit dem Nahostkonflikt gegeben. Mehrere Filmschaffende wie Swinton und Javier Bardem hatten der Berlinale vorgeworfen, sich im Gaza-Krieg nicht an die Seite der Palästinenser zu stellen. In Deutschland stieß indes eine Rede des syrisch-palästinensischen Regisseurs Abdallah Alkhatib auf heftigen Widerspruch.

Er hatte der Regierung vorgeworfen, Partner "des Völkermords im Gazastreifen" zu sein. Umweltminister Carsten Schneider verließ daraufhin den Saal. Israels Regierung streitet ab, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen und spricht von Selbstverteidigung nach dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023. Auch die Bundesregierung weist den Völkermord-Vorwurf zurück.

"Keine dieser Aussagen stammt von der Festivalleitung"

Die Filmschaffenden schrieben in dem Offenen Brief, zuletzt seien Äußerungen kritisiert worden, die auf der Bühne gefallen seien. "Keine dieser Aussagen stammt von der Festivalleitung selbst, sondern von eingeladenen Filmschaffenden". Ein internationales Festival sei kein diplomatisches Ereignis, sondern ein schützenswerter Ort der Demokratie.

"Seine Stärke liegt darin, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten und vielfältige Stimmen sichtbar zu machen." Auch ein Foto der Festivalleitung mit Filmschaffenden, auf dem eine palästinensische Flagge zu sehen gewesen sei, sei kritisiert worden. "Sich mit internationalen Gästen fotografieren zu lassen, gehört zur Praxis eines solchen Festivals."

"Wenn aus einzelnen Wortmeldungen oder symbolischen Deutungen personelle Konsequenzen abgeleitet werden, entsteht ein problematisches Signal: Kulturinstitutionen geraten unter politischen Erwartungsdruck", heißt es in dem Schreiben. "Wenn jede Kontroverse institutionelle Konsequenzen nach sich zieht, wird aus Diskurs Kontrolle."

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