Ihr, die Ihr wisst, was Liebe ist: Patricia Nolz betört als Cherubino

„Die Hochzeit des Figaro“ in der Staatsoper: Riccardo Fassi ersetzt den Charme und die Gewitztheit der Titelrolle mit Slapstick
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Die erste Aufführung der Spielserie von Mozarts Revolutionsoper „Die Hochzeit des Figaro“ an der Staatsoper ließ einen fragen: Wie kann es sein, dass der Figaro bereits beim Auftrittsduett nur schwer zu hören ist?

Riccardo Fassi ersetzt den Charme und die Gewitztheit der Titelrolle mit Slapstick. In manchen Szenen mutet er wie ein Komödiant an, der von der Kino-Leinwand auf die Opernbühne gewechselt ist. Sein Gesang wirkt irgendwie beiläufig. Mit seiner einheitlich dunkel gefärbten Bassstimme verschleift er immer wieder die Vokale und droht seine Susanna zu Beginn mitzureißen. Serena Sáenz setzt sich mit Spiellust in Szene. Ihr Sopran verfügt über Ausdruck und Klarheit. Ihre „Rosen-Arie“ überzeugt.

Mit dem Grafenpaar kommt Barrie Koskys ganz auf die Personen fokussierte Inszenierung in Fahrt. Beide, Huw Montague Rendall und Adriana González, reißen bei ihren Debüts am Haus auch schauspielerisch mit, wenn sie Szenen ihrer Ehe zeigen. Der britische Bariton intoniert die Partie des Almaviva mit Eleganz, Sinnlichkeit, absoluter Wortdeutlichkeit und schönen Phrasierungen. Adriana González, die sich gegen Martin Kušej vergessenswerte Regie in Salzburg bereits als Gräfin behauptet hat, zeigt eine expressive, selbstbewusste Gräfin. Im „Porgi amor“ entfaltet sie Emotionen, ihr geschmeidiger Sopran berührt im „Dove sono“, betörend schön ihr Piano.

Patricia Nolz wird zurecht als Cherubino gefeiert. Stephanie Houtzeel ist eine bewährte Marcellina. Hannah-Theres Weigl lässt als Barbarina aufhorchen. Evgeny Solodovnikov gibt sich als Bartolo der Spielfreude hin, Daniel Jenz ergänzt als ausbaufähiger Basilio. Adam Fischer führt mit Drive durch die Partitur. Viel Applaus für alle.

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