Kunstformen im Paartanz: Albertina modern zeigt Tanzfotografie
von Silvia Kargl
„Die Schönheit des Tanzes“ gab Albertina-Generaldirektor Ralph Gleis den Anstoß zur Ausstellung „Tanzbild“: Bis 6. Juni sind 120 Fotografien aus der Fotosammlung des Hauses zu sehen, die bereichernde Blickwinkel auf die Entwicklung der Fotografie wie auf die Tanzgeschichte von 1860 bis 1940 zeigen.
Waren es zunächst gestellte Aufnahmen, die Porträts und Rollenfotos vorwiegend von Tänzerinnen zu begehrten Sammlerstücken werden ließen, entwickelte sich zeitgleich mit dem modernen Tanz die Technik der Fotografie.
Ab dem Ende der 1870er-Jahre ermöglichte die Verkürzung der Belichtungszeit die Abbildung von Bewegungsabläufen – bis zu ganzen Bewegungssequenzen wie jener von Frédéric Boissonas auf der Akropolis in Athen 1903 festgehaltenen Aufnahmeserie der „Traumtänzerin“ Magdeleine Guipet.
Weibliche Tanzmoderne
Die Antike wiederum nahm große Einfluss auf die Entwicklung des freien Tanzes, der nicht nur als Gegenbewegung zu vermeintlich starren Ballettformen entstand, sondern mit Protagonistinnen wie Isadora Duncan und Loïe Fuller die Frau in ein neues Licht rückte: „Die Tanzmoderne ist weiblich“, sagt Astrid Mahler, Kuratorin der Schau. „Tänzerinnen waren auch prädestinierte Aktmodelle“.
Die Art der Präsentation des Körpers, der Kostüme und nicht zuletzt von expressiven Gesten lassen Vergleiche bis zu Egon Schiele zu. Dass Tanzfotografien zunehmend auch als Vorbilder für Plakate und Werbung für Aufführungen dienten, ist in der Schau ebenso eindrucksvoll dokumentiert.
Als Ausblick wird ein kurzer Film der Fotografin Suse Byk gezeigt, die 1925 die Ausdruckstänzerin Valeska Gert in Ausschnitten aus deren grotesken Rollentänzen filmte. Fotografien sind unter anderem von Atelier d’Ora, Lisette Model und Trude Fleischmann zu sehen. Zu den abgebildeten Tänzerinnen und Tänzern zählen Josephine Baker mit Fotos von ihrem Wien-Gastspiel im Ronacher 1932, die Schwestern Wiesenthal, Anna Pawlowa und Harald Kreutzberg.
Mit Hilde Holger, Gertrud Kraus und Tilly Losch sind Tänzerinnen vertreten, die Österreich nach dem „Anschluss“ 1938 verlassen mussten und in Großbritannien, Israel und den USA den österreichischen modernen Tanz bekannt machten.
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