© Thomas Trenkler

Kultur
10/02/2021

Einheitsbühnenbild: Das Schauspielhaus als Hotel-Installation

Aus dem Wiener Schauspielhaus wurde für fünf Monate ein Hotel - mit Performances in den Zimmern. Man kann auch nächtigen

von Thomas Trenkler

Hans Gratzer, Gründer des Wiener Schauspielhauses, erboste 2002/’03 als Direktor des Theaters in der Josefstadt. Aufgrund der damaligen Budgetnöte hatte er ein „Einheitsbühnenbild“ für alle Produktionen in einer Saison in Erwägung gezogen.

Just ein solches gibt es nun fünf Monate lang (bis März) im Schauspielhaus: Tomas Schweigen, Direktor seit 2015, ließ das große Kellertheater in ein „Hotel“ umbauen. Beziehungsweise: Er ließ in das Schauspielhaus ein verwinkeltes Hotel als begehbares Bühnenbild einpassen. Die Fenster sind Attrappen, die Betten echt. Die Installation von Giovanna Bolliger vermag von der Ästhetik her (wild gemusterte Fußböden, orange tapezierte Wände) tatsächlich zu beeindrucken.

Das Ganze funktioniert ein bisschen wie eine Hotelmesse: In den Zimmern finden (zu unbestimmten Zeiten) Aktionen statt. Von Therapie- und Massagestunden über Work- und Try-outs bis hin zu Lesungen und Performances soll alles möglich sein, Autorin Miroslava Svolikova fungiert als Dauergast.

Am Freitagnachmittag – das Hotel wurde um 16 Uhr eröffnet – hielt sich das Angebot an Attraktionen noch in engen Grenzen. Die Künstler mussten sich erst einmal einfinden. Eine Frau mit venezianischer Pest-Maske räucherte eifrig, eine andere legte Tarot-Karten (in Kooperation mit dem Slash-Filmfestival), drei Schauspielerinnen präsentieren ein schrilles Video, in einem Zimmer strampelte Ensemble-Mitglied Jesse Inman. Man muss immer wieder seine Runden drehen - und mit viel Glück entdeckt man etwas Neues. Aber die Nachmittagskarte (16 bis 19.30 Uhr) kostet auch nur fünf Euro.

 

Für das Abendprogramm (mit Aufführungen und Konzerten in der mittigen Holz-Arena) hat man 22 Euro zu zahlen. Geöffnet ist das Hotel immer von Mittwoch bis Sonntag. Am Wochenende kann man um 65 Euro auch eines der 15 Zimmer mieten: nicht barrierefrei, Dusche und Klo am Gang, exklusives TV- und Radioprogramm, Frühstück extra. Die Darbietungen enden allerdings um 23 Uhr.

Der Zuschussbedarf pro Besucher (Gesamtkosten eine Million Euro) wird nicht unerheblich sein: Als Hotel fasst das Schauspielhaus statt 220 nur 100 Gäste.

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