Ein musikalisches Plädoyer für Vielfalt in jeder Hinsicht
Die Gründung eines Orchesters ist an sich schon ein tapferes Unterfangen. Die Kontrabassistin Chi-chi Nwanoku nahm es 2015 auf sich und leistete zugleich Pionierarbeit, als sie in Großbritannien den ersten Klangkörper in Europa mehrheitlich aus ethnischen Minderheiten formierte. Sein Name Chineke! Orchestra bedeutet „Gott, Schöpfer der Welt und des Guten“. Diese Formation will selten aufgeführte Werke afro-amerikanischer und afro-diasporischer Komponisten aus der Versenkung holen.
Gut, dass die Festwochen und das Konzerthaus dieses Orchester nach Wien geholt haben. Dass dessen Gastspiel nicht nur zum eindrücklichen Plädoyer für die Anliegen des Orchesters wurde, lag nicht zuletzt am Dirigat von Joseph Young. Mit vier amerikanischen Tänzen aus dem Jahr 2023 von Carlos Simon gab er einen furiosen Auftakt. Die Stücke wirkten wie eine von Bernstein inspirierte, die Kontinente überspannende Musik. Akkorde wie Peitschenhiebe, jazzige Bläser-Sequenzen, eingängige Rhythmen: Das Orchester musizierte hoch konzentriert.
Musik geht nicht unter
Eine Fagottistin gab auf Deutsch eine Einführung ins Folgende. Die Geschichte von Samuel Coleridge-Taylors Violinkonzert in g-Moll hat im Kontext der Mission dieses Orchesters Symbolcharakter. Denn die Partitur war auf der Titanic. Die Musik ging aber nicht unter, denn der Komponist hatte eine Kopie parat. Geigerin Njioma Chinyere Grevious trug es mit zurückhaltender Bescheidenheit vor.
Dass es sich lohnt, Florence B. Price zu entdecken, stellte bereits Riccardo Muti 2024 mit Chicago Symphony klar. Das Chineke! Orchestra spielte bei deren „Erster“ seine Qualitäten aus. Die Klarinette und die Blechbläser wurden, wie alle, zurecht bejubelt.
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