© Ingo Pertramer/Rabenhof

Kritik
11/10/2021

Dolezal und Grissemann rufen "Buh!": Zu Lasten der Schauspieler

TV-Satiriker Christoph Grissemann und Schauspieler Christian Dolezal nehmen im Wiener Rabenhof die darstellende Kunst aufs Korn.

von Peter Temel

Es ist nicht wenig Spott, den Christoph Grissemann im Duett mit Christian Dolezal („Schlawiner“) ausgießt: „Er ist vom gelungenen Schauspiel so weit entfernt wie Rapid Wien vom Meistertitel.“

Damit meint er zur Abwechslung nicht Dolezal, sondern den großen Abwesenden: seinen Dauer-Kompagnon Dirk Stermann.

„Buh! oder: Knuffi und Saufi geben sich es voll“ heißt der Abend im Wiener Rabenhof, in dem Grissemann nun mit einem Schauspieler künstlerisch fremdgeht. Der Fernsehsatiriker lässt sich dabei auch über mittelmäßige Mimen aus, die „ihr Gnadenbrot bei irgendeinem Sommertheater finden.“

Dolezal – hier für das gerüttelt Maß an Selbstironie zuständig – sagt: „Ich bin Intendant beim Theatersommer der Stadt Haag.“ 

Er gibt Grissemann insgesamt recht wenig Kontra, zwischendurch gibt er einmal kleinlaut zu, es zu bereuen, dass er „was mit einem Kabarettisten“ macht.

Wahre Geschichten

Grissemanns Lieblingszielscheibe früherer Radiosendungen – Albert Fortell – kommt ebenfalls zum Handkuss, so wie andere Kollegen, die in angeblich wahren Geschichten zitiert werden.

Über sich selbst gibt er Preis, dass die frühere Comedysendung "Show Royale", die er gemeinsam mit Stermann in Berlin produzierte, von einer Radiojury "nicht einmal als Humor erkannt" wurde. Was aber auch auf die deutsche Radiojury zurückfallen könnte.

Crashkurs

Der Abend gibt aber mehr her als bloßes Anekdoten-Schupfen. Das Korsett bildet ein Crashkurs in darstellender Kunst, in dem Dolezal als Anschauungsobjekt fungiert. Es beginnt mit Tierimitation (Der weiße Hai!), geht weiter mit dem überzeugenden „Leichenspiel“, korrektem Aufwachen und kontrolliertem Weinen („sein Gesicht ist staubtrocken“). In fünf Schritten soll man es "mindestens zum Soko-Donau-Schauspieler" schaffen.

Außerdem stellen die beiden jenen TV-Werbespot nach, in dem Dominic Thiem einfach nur einen Apfelsaft bestellen will. Wie der wirken würde, wenn er mit richtigen Schauspielern besetzt wird. Grissemann imitiert Christoph Waltz und Albert Fortell beim Saft ordern, Dolezal nimmt sich Paulus Manker und Georg Friedrich vor. Ein Höhepunkt.

Dem gespielten Witz wird überhaupt ausgiebig gehuldigt, bei jenem über das richtige Timing passt alles, außer das Timing – was der Witz daran ist.

Beim letzten Punkt, der Verbeugung, passt dann alles: Kein Buh, dafür ausgiebiger Applaus für viel vergnüglichen Nonsens, der nach der Pause etwas stakkatoartig rüberkommt.

***

Und wer sind "Knuffi" und "Saufi"? 

Es handelt sich um die Kosenamen, die Dolezal und Grissemann von Kollegen bekommen haben. In der Theaterkantine wurde selbst ein Oskar Werner vom Hamlet zum "Scheißi", berichtet Dolezal.

Da ist Grissemann mit "Saufi" noch gut bedient.

23. November 2021, 4. und 12. Dezember 2021, 7. Jänner 2022 

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