Diagonale: Budgetnot, Mutterglück und Rückenschmerzen

Kürzungen der Filmförderung beschäftigen die heimische Branche auf der Diagonale; im Programm Filme von Müttern und ihren Kindern.
Stillende Mutter.

Eigentlich gibt es viel zu feiern auf der diesjährigen Diagonale, denn das österreichische Filmschaffen zeigt sich von starker Seite: Allein die Beteiligung von 14 Beiträgen auf der Berlinale beweist die Lebendigkeit der heimischen Produktionslandschaft.

Trotzdem stehen die Zeichen auf Alarm. Die Budgetkürzungen der Filmförderung bedrohen die Branche – „und leider geht uns nun das Geld aus“, wie die Schauspielerin Hilde Dalik in ihrer Dankesrede für den Großen Diagonale-Schauspielpreis betonte. Regisseur Markus Schleinzer, mit dessen Historiendrama „Rose“ die Diagonale eröffnet wurde, sprach im Angesicht der Budgetnot gar von einem „Abgesang auf den österreichischen Film“, sollte man nicht schnell zu Lösungen finden. Alexander Dumreicher-Ivanceanu, der Obmann des Fachverbandes der Film- und Musikwirtschaft der WKO, griff zu einem besonders drastischen Bild: „Wir feiern in einem Haus, in dem der Dachstuhl brennt.“ Dementsprechend dringlich wurde beim traditionellen Film Meeting über Strategien nachgedacht. Weitgehende Einigkeit herrscht über den Wunsch nach einer Streamingabgabe („Levy“), die sicherstellen soll, dass internationale Anbieter – etwa Netflix – einen Teil ihrer in Österreich generierten Umsätze in die heimische Filmförderung investieren. „Ohne faire Beteiligung der Streaminganbieter bleibt die Leinwand leer“, so Ivanceanu. Um einen Gesetzesentwurf wird politisch gerungen.

Ein weiterer Schwerpunkt beim Branchentreff lag auf der Prävention von missbräuchlichem Verhalten auf Filmsets. Früher hätte man sie am Set mit Sätzen wie „Nice tits!“ begrüßt, erinnerte sich Hilde Dalik; da habe sich zum Glück sehr viel verändert. Trotzdem wurde vonseiten der Ombudsstelle Film & Fernsehen #we_do! im Jahresbericht 2025 berichtet, dass nach wie vor Fälle von Machtmissbrauch und sexueller Belästigung vorgebracht werden; besonders wichtig sei daher auch die Prävention, so Sophie Rendl, Expertin für Antidiskriminierung und Gewaltschutz: Es wurde ein praxisnahes Schutzkonzept entworfen, das speziell auf Produktionsbedingungen der Filmbranche zugeschnitten wurde und gratis zur Verfügung steht.

Gefühlscocktail

„Mother’s Baby“ nannte die Regisseurin Johanna Moder ihren Horrorfilm, der im Wettbewerb der Diagonale für „besten Spielfilm“ läuft und eine Frau in den Mittelpunkt stellt, die nach einer traumatischen Geburt an ihrer Mutterliebe zweifelt.

Auch die Wiener Filmemacherin Josephine Ahnelt erzählt in ihrer Doku „Wellen Wende“ von jungen Frauen, die gerade entbunden haben. Auch sie werden – wenn schon nicht von Horror –, so doch von einem Hormoncocktail überschwemmt, der nicht nur Glücksgefühle beinhaltet. Fünf Protagonistinnen stellt Ahnelt in den Fokus ihres analog gedrehten 16-mm-Films: Immer wieder rückt sie ganz nahe mit der Kamera an die Körper der jungen Frauen und ihrer Babys, sodass sich durch die Körnigkeit des Materials die Grenzen zwischen Mutter und Kind fast aufzulösen scheinen. Von Liebe und Nähe ist die Rede, aber auch von Einsamkeit und Depression. Kind stillen, Kind schaukeln, Kind wickeln – die wiederkehrenden Routinen junger Mutterschaft bilden den Rhythmus von Ahnelts feinfühligem Film.

Auch „Teresas Körper“ von Magdalena Chmielewska handelt von Mutterschaft – wenngleich am völlig anderen Ende des Spektrums. Teresa ist die Mutter der Regisseurin und eine Frau, die unter der Gewaltherrschaft ihres mittlerweile verstorbenen Mannes stand und unter permanenten Rückenschmerzen leidet. In einer Mischung aus (Auto)-Fiktion und Doku umkreist Chmielewska den Körper ihrer Mutter, die schließlich zu der niederschmetternden Einsicht kommt: „Mein Körper ist in diesem Zustand, weil mein Leben nicht gut war.“

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