Wurde 73 Jahre alt: Der Dichter Said

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Kultur
05/17/2021

Deutsch-iranischer Dichter Said gestorben

Der Schriftsteller fand in der deutschen Sprache seine Heimat. Er starb im Alter von 73 Jahren.

Der aus dem Iran stammende, in Deutschland lebende Dichter Said ist tot. Er starb im Alter von 73 Jahren, wie das deutsche PEN-Zentrum am Montag bestĂ€tigte. Said, der seit Jahrzehnten in MĂŒnchen lebte, ist vor allem als Verfasser von Gedichten, aber auch Hörspielen, AufsĂ€tzen und Reden bekannt. Sein erster Gedichtband erschien 1981.

Von 1995 bis 1996 war er VizeprĂ€sident und Beauftragter des westdeutschen PEN-Zentrums fĂŒr das "Writers in Prison Committee". In dieser Zeit vermittelte er iranische Literatur an deutschsprachige Verlage. In seinen Texten verarbeitete Said hĂ€ufig sein Leben im deutschen Exil. Ein Hauptmotiv seiner Gedichte war die Liebe. FĂŒr sein schriftstellerisches Werk, aber auch seinen politischen Einsatz erhielt Said zahlreiche Auszeichnungen.

Numerus-clausus-FlĂŒchtling

Geboren am 27. Mai 1947 in Teheran, wuchs Said zu Zeiten des Schahs Reza Pahlewi auf. Doch nach MĂŒnchen zog er 1965 nicht, um vor einem Autokraten zu flĂŒchten, der die politische Opposition unterdrĂŒckte. "Ich wollte studieren und der Numerus clausus im Iran war sehr hart", sagte er.

In MĂŒnchen angekommen, widmete er seinem Studium dennoch nicht viel Zeit. Stattdessen organisierte er mit anderen iranischen Studenten RechtsanwĂ€lte fĂŒr politische Gefangene in seiner Heimat. "Meine Generation konnte zu Hause kaum etwas sagen, hier konnten wir es."

RĂŒckkehr in Zeiten des Terrors

Angekommen fĂŒhlte er sich in Deutschland auch Jahre spĂ€ter nicht. Die KĂ€lte der Menschen, dass sich die Deutschen nicht berĂŒhrten, irritierte ihn, wie er erzĂ€hlt. 1979 nutzte er die Zeit zwischen der Vertreibung des Schahs und der MachtĂŒbernahme durch Ajatollah Khomeini, um in den Iran zu reisen. Es war die Zeit der Islamischen Revolution.

"Ich habe mit dem Grad des Terrors nicht gerechnet", sagte er. "Die haben wirklich Tabula rasa gemacht, massenweise Leute hingerichtet, teilweise auf der Straße." Nach wenigen Wochen sah er sich gezwungen, nach MĂŒnchen zurĂŒckzukehren.

Dort vertiefte er sich immer mehr ins Schreiben. Sein erster Band, "Liebesgedichte", erschien 1981. "Die Farbe der Liebe ist blau,/ ich weiß./ Nur,/ daß diese Erde -/ genarbt von unseren KĂŒssen -/ mit ihren gebrochenen Farben/ auf uns lastet", heißt es darin.

FĂŒr solche Töne gab es in seinem politischen Umfeld kein VerstĂ€ndnis, erinnerte sich spĂ€ter der Dichter. "Es entstand eine Leere, eine Isolation. Ich schrieb aus der Einsamkeit heraus." Said, der spĂ€ter PrĂ€sident der deutschen Schriftstellervereinigung PEN wurde, begann, seine Erfahrungen in zahlreichen GedichtbĂ€nden, ErzĂ€hlungen und Hörspielen festzuhalten.

Liebe als Protest

Die Liebe ist darin ein wiederkehrendes Motiv. Vor dem Hintergrund seines Lebens wird sie zu einer Form des Protests: "Wenn du aus deinem Versteck herauskommst/ um mich zu lieben/ sind wir dann nicht bewaffnet gegen den Tod/ mit unseren KĂŒssen/ und mit der Zeit/ die auf unseren HĂ€nden ruht?"

Doch fĂŒr einen politischen Autor hielt Said sich nie. "Literatur muss nur schön sein. Wenn Sie sich instrumentalisieren lassen wollen, gehen Sie in die Partei." Bis zum Schluss schrieb er unter einem Pseudonym. UrsprĂŒnglich sollte es als Schutz gegen den iranischen Geheimdienst dienen. "Aber wenn man Ă€lter wird, pfeift man auf diese Vorsichtsmaßnahmen." Eine Heimat hat Said im Iran nie gefunden. Er suchte sie stattdessen in der Literatur. "Die deutsche Sprache wurde zu einer Art HeimstĂ€tte fĂŒr mich", meinte der Dichter einmal.

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