INTERVIEW MIT MAK-DIREKTORIN HOLLEIN

Erstmals in der 150-jährigen Geschichte leitet eine Frau das MAK: Lilli Hollein

© APA/HERBERT NEUBAUER / HERBERT NEUBAUER

Kultur
08/31/2021

"Derzeit tun sich viele schwer zu sagen, wofür das MAK steht"

Lilli Hollein übernimmt mit 1. September die Leitung des MAK. Ihre Ziele: weiblicher Blick, mehr Geld, Exzellenz, Radikalität

von Thomas Trenkler

Forcierte feministische und weniger eurozentristische Blickwinkel, Offenheit für popkulturelle Themen und Öffnung für ein breites Publikum: Das sind einige der Anliegen von Lilli Hollein, die mit 1. September die Direktion des Museums für angewandte Kunst (MAK) übernimmt - als erste Frau in der 150-jährigen Geschichte der Institution.

Die Konzeption von Ausstellungen und Veranstaltungen wie auch die Weiterentwicklung der MAK-Sammlung und die damit verbundenen Forschungsaktivitäten will Lilli Hollein, die bisher mit großem Erfolg die Vienna Design Week leitete, im intensiven Dialog mit Designern und Künstlern vorantreiben: "Das MAK muss in Gestaltungsfragen Exzellenz beweisen", so Hollein in einer Aussendung des Museums.

Die Rolle von angewandter Kunst und Design sei nie wichtiger als heute gewesen: "Davon bin ich überzeugt. Design hat eine Moderatorenfunktion, es gestaltet gesellschaftliche Prozesse ebenso wie Produkte und Sehnsüchte. Dieser Verantwortung muss man mit Haltung, Mut und Innovation begegnen. Das MAK soll für herausragende Gestaltung und für die Verantwortung von Kunst und Design für eine nachhaltige, positive Zukunft unserer Gesellschaft stehen."

Die bisherige männliche Dominanz in Sammlung und Themen dürfe nicht fortgeschrieben werden - von Berta Pappenheim bis Friedl Dicker-Brandeis würden viele spannende neue Geschichten aus der Sammlung darauf warten, aus neuer Perspektive erzählt zu werden. Die bis 3. Oktober laufende Ausstellung „Die Frauen der Wiener Werkstätte“ sei bereits ein guter Ansatz, der noch mehr Radikalität vertrage, so Hollein gegenüber der APA.

Bis zu diesem Datum ist auch noch die von ihrem Vorgänger Christoph Thun-Hohenstein gegründete „Vienna Biennale for Change“ zu sehen, bei der Zukunftsfragen vom Klimawandel bis zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen aus wissenschaftlichen wie künstlerischen Positionen behandelt werden. „Diese Themen werden natürlich weiter eine große Bedeutung für das Haus haben“, sagt Hollein, lässt aber gleichzeitig durchblicken, dass sie mehr an eine ständige Verflechtung mit dem Ausstellungsprogramm und weniger an die Weiterführung des Biennale-Labels denkt.

In der Schausammlung gäbe es durchaus „Räume, die man überdenken muss“. Insgesamt habe sie „mehrere Listen mit Desideraten auf unterschiedlichen Ebenen. Dazu braucht es aber zusätzliche Mittel.“ Von deren Umfang hänge es auch ab, wie groß die Visionen seien, die man verwirklichen könne. „Die finanzielle Lage ist natürlich angespannt“, schließlich sei seit Corona auch im Museumsbetrieb nichts mehr wie zuvor. Generell möchte Hollein "die emotionale Bindung der Menschen zum Haus stärken", damit sich das MAK wieder mehr in den Köpfen verankert. Denn: "Derzeit tun sich viele schwer zu sagen, wofür das MAK steht.“

Eine erste Chance zur vertieften Identitätsbildung wird sich Anfang November bieten, wenn der Ferstel-Bau am Stubenring seinen 150. Geburtstag feiert. „Das wird ein guter Auftakt sein, ein guter Moment, an dem man eine erste Öffnung des Hauses spüren wird, wie ich sie mir künftig vorstelle.“ Ihr künftiges Ausstellungsprogramm wird sie voraussichtlich Ende November oder Anfang Dezember präsentieren. Sicher sei laut APA nur: Eine Ausstellung über Lilli Holleins Vater, den Architekten Hans Hollein, wird nicht darunter sein.

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