"Der Teufel trägt Prada 2": Lunch mit Donatella Versace

Das Star-Ensemble aus der Fashion-Welt kehrt mit einer umwerfenden Meryl Streep an der Spitze zurück und liefert vergnügliche Hochglanz-Unterhaltung in einer Mediensatire mit mäßigem Tiefgang.
Meryl Streep und Anne Hathaway als Miranda Priestly und Andy Sachs.

Zusammenfassung

Zurück im Team: Meryl Streep kehrt als Chef-Teufelin Miranda Priestly, Anne Hathaway als Andy Sachs in „Der Teufel trägt Prada 2“ .

Der Teufel trägt wieder Prada – wenn auch nicht auf der Weltpremiere der Kultfilmfortsetzung in New York. Dort erschien Meryl Streep zwar in teuflischem Rot, allerdings von Givenchy. Ansonsten ist sie (fast) die Alte geblieben: Als tyrannische Chefin Miranda Priestly der Modezeitschrift „Runway“ versetzt sie in „Der Teufel trägt Prada 2“ immer noch mit dem Heben ihrer Augenbraue die Untergebenen in Panik. Wenn auch vielleicht nicht mehr ganz so menschenfeindlich wie noch im Original von 2006.

Als Lauren Weisbergers gleichnamiger Bestsellerroman von 2003 über die hierarchische Modewelt erschien, ließ sich hinter der herrischen Miranda Priestly unschwer die Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour erkennen. Meryl Streep übernahm die Rolle der eiskalten Modepäpstin mit dem Gusto der gelernten Drachentöterin und senkte ihre Stimme um eine Oktave. Mit einem scharfen Blick über den Brillenrand vernichtete sie mit gnadenloser Geschmackssicherheit die Konkurrenz und tyrannisierte ihre neue Assistentin Andy Sachs.

Schneidende Bemerkungen über deren Aussehen, Anrufe um Mitternacht, Machtgehabe und miese Bezahlung sorgten für eine immens erfolgreiche Satire auf die Modewelt und ihre Hierarchien. Heute würde man toxisches Arbeitsumfeld dazu sagen.

Das hat auch die vergnügliche Fortsetzung verstanden und der Chef-Teufelin ein Update verpasst. Miranda bekam eine nicht-weiße Assistentin, gespielt vom britischen „Bridgerton“-Star Simone Ashley, an die Seite. Diese flüstert ihr bei Sitzungen ins Ohr, was sie alles nicht mehr sagen darf – beziehungsweise was sie sagen soll: „Body Positivity“, zum Beispiel. Aber das bringt die angeekelte Miranda nur schwer über die Lippen.

Jeff-Bezos-Satire

Wie eine geölte Unterhaltungsmaschine spuckt das zügig erzählte Sequel des globalen Kulthits alle seine Asse aus. Allein das charismatische Original-Star-Ensemble sieht auch nach 20 Jahren unverschämt gut aus: Meryl Streep, umwerfend wie immer, trägt als Miranda ihre fantastischen, stets wechselnden Designer-Kostüme mit gewohnt ironisch-unterkühlter Souveränität, während Anne Hathaway als ihre treuherzige Mitarbeiterin Andy Sachs die frostige Chefetage erwärmt. Stanley Tucci, wieder der süffisant-stilvolle Art Director Nigel Kipling, macht den Eindruck, als hätte er seinen Maßanzug nie ausgezogen. Und Emily Blunt, einst Mirandas Assistentin, kehrt mit herbem Charme in der Rolle der Freundin eines Milliardärs namens Benji Barnes zurück. Ein sehr lustiger Justin Theroux spielt Barnes als Superreichen mit blödem Lacher (und wird von Hollywood-Insidern als Anspielung auf Jeff Bezos gedeutet).

Regisseur Frankel hat seine hochpreisige Fashion-Comedy Richtung niederschwellige Mediensatire verschoben, in der das Modemagazin „Runway“ in der digitalen Welt des untergehenden Journalismus ums Überleben kämpft. Andy wird engagiert, um mit knackigen Storys die bröckelnde Leserschaft zurückzuholen; und mit dem Rücken zur Wand erweist sich sogar Teufelin Miranda als temporäre Verbündete. Dass sich ausgerechnet reiche Modeschnösel und ihr Magazin als moralische Gatekeeper des Qualitätsjournalismus zelebrieren, kann man an sich schon witzig finden.

Kameramann Florian Ballhaus, Sohn des legendären Scorsese-Kameramanns Michael Ballhaus, poliert das Milieu der Reichen und Superreichen zwischen New York und den Hamptons auf Hochglanz. Strahlender Höhepunkt ist der Showdown während der Fashion-Week in Mailand, wo sich zwischen Lunch mit Donatella Versace und Lady Gaga die Promis tummeln. Im Abspann lässt sich dann nachlesen, welche Cameos man in der Eile alle übersehen hat – von Naomi Campbell bis Heidi Klum.

INFO:  USA 2026. 119 Min. Von David Frankel. Mit Meryl Streep, Anne Hathaway.

Kommentare