Kultur
08.06.2018

Der legendäre Drahdiwaberl-Chef Stefan Weber ist tot

Der Musiker starb 71-jährig. Er hatte viele Jahre lang an Parkinson gelitten.

Der frühere Chef der legendären Band Drahdiwaberl, Stefan Weber, ist tot. Das bestätigte das frühere Bandmitglied Thomas Rabitsch dem KURIER.

Schon seit vielen Jahren litt Weber an einer Parkinsonerkrankung.

Geboren und aufgewachsen ist Weber in Wien, nach eigener Aussage „in einem kommunistischen Elternhaus“. Er selbst zeigte bereits in jungen Jahren gesellschaftspolitische Interessen und beteiligte sich als Jugendlicher an der Besetzung der Kunstakademie. Zeitgleich begann die Leidenschaft für die Musik in Weber zu keimen. So gründete er 1966 die Gruppe Webbb's Crew, bevor 1969 aus der Tradition der 68er-Bewegung die Band Drahdiwaberl entstand.

 

Aus dem KURIER-Bildarchiv: Stefan Weber und Drahdiwaberl

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Und die sollte bleibenden Eindruck hinterlassen, denn selbst Spätgeborene, die nicht in den abgedrehten Livegenuss von Drahdiwaberl gekommen sind, dürften großteils mit dem Namen etwas anzufangen wissen. Die Gruppe wurde bald nach der Gründung mit den dezidiert politischen Liedern und einer grellen, mitunter obszönen Liveshow bekannt - ganz gemäß der Idee, sich als wildeste Band Österreichs zu positionieren.

Verhaftungen

Parallel zu den Wiener Aktionisten gestalteten sich die Konzerte der Formation als Materialschlacht, bei der die Zuhörer mit Nahrungsmitteln beworfen wurden, weshalb die Auftritte nicht selten in Verhaftungen und Gerichtsverfahren mündeten. Zugleich begründeten Musiker wie Falco oder Thomas Rabitsch bei Drahdiwaberl ihre Karrieren. Und auch die Jazz Gitti war lange Mitglied - ebenso wie Tochter Monika, welche die Rolle als Akteurin von Webers Frau übernommen hatte.

Bis man von diesen Happenings und Songs aber erste Tonträger in Händen halten konnte, sollte es lange Zeit dauern. Erst 1981 veröffentlichte die wilde Truppe mit „Psychoterror“ die erste Platte, bevor Weber 1983 im Duett mit Lukas Resetarits mit der Single „Lonely“ (vom Album „Werwolfromantik“) gar die Spitze der heimischen Charts erklomm.

So markant die Auftritte und der folgende Aufschrei auch waren, so überschaubar blieb der kommerzielle Erfolg. Deshalb verdingte sich Weber ab 1970 auch als Lehrer für Zeichnen und Werken an einem Wiener Bundesrealgymnasium, bis er den Posten wegen seiner Parkinsonerkrankung frühzeitig aufgeben musste. Der bis dato letzte Drahdiwaberl-Auftritt fand 2013 am Karlsplatz statt.

Als Monument bleibt in jedem Fall der Film „Weltrevolution“, an dem die Band über Jahre arbeitete. Die Dokumentation über die Genese der wilden Truppe feierte 2008 beim Filmfestival in Rotterdam Premiere und erschien 2011 auf DVD. Eine filmische Ehrerweisung hat heuer auch Regisseur Amor Schläggen vorgelegt und zeigt sich mit seiner Dokumentation in bester Drahdiwaberl-Manier. Immerhin hat er das Werk zum 70er des Bandkopfes „Stefan Weber heißt das Schwein“ tituliert. Der Film soll sich nach eigenen Angaben „dem Phänomen Stefan Weber auf liebevolle und bisweilen auch ein wenig brutale Art und Weise“ nähern.

Dass Weber über die Jahre zum heimischen Kulturgut wurde, zeigen nicht zuletzt auch Auszeichnungen, die der Künstler erhielt. So wurde er 2005 sowohl mit einem Amadeus Austrian Music Award für sein Lebenswerk geehrt und erhielt auch das Silberne Verdienstzeichen des Landes Wien. Die anarchische Weltrevolution trägt also doch Früchte.