© Theater an der Wien/Bernd Uhlig

Abendkritik
03/15/2021

"Der feurige Engel" im Theater an der Wien: Irrlichternde im Irrenhaus

Andrea Breth verlegt Sergej Prokofjews rätselhafte Oper ins Irrenhaus.

von Peter Jarolin

Andrea Breth hat Sergej Prokofjews rätselhafte OperDer feurige Engel“ im Theater an der Wien als Fernsehoper inszeniert.  Steril, kalt, mit szenischen Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, aber extrem eindringlich.

Breth verlegt wenige Medienvertreter waren (nur mit negativem Corona-Test) bei der Aufzeichnung zugelassen die Geschichte rund um die Hauptfigur Renata und deren „Beziehung“ zu einem imaginären Engel in eine sehr heutige, naturalistische Irrenanstalt. Das ist insofern klug, als man damit Figuren wie Faust, Mephistopheles (auch die kommen vor) ebenso wenig erklären muss, wie Renatas himmlisch-sexuelle Visionen oder die Figur des Renata bedingungslos begehrenden Ruprecht. Bei Breth sind sie alle Insassen einer brutal geführten Klinik.

Martin Zehetgruber hat dafür das passende, verstörende Bühnenbild geschaf-fen. Karge Betten, Badewannen, Mistkübel – in dieser Anstalt wird mit Menschenleben experimentiert. Breth zeigt das drastisch und zugleich eiskalt mit dem Skalpell sezierend; ein Entkommen aus diesem Universum ist unmöglich.

Sensationell das an einen Hieronymus Bosch gemahnende Schluss-Tableau!

Musikalisch wird diese Produktion – ein endgültiger Sendetermin steht noch nicht fest –von Ausrine Stundyte als auch vokal unfassbar intensive Renata sowie von Bo Skovhus als starker Ruprecht getragen. Das übrige Ensemble fällt um Nichts ab. Eine Freude: Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter der versierten Leitung von Dirigent Constantin Trinks, das Prokofjews flirrenden Klangkosmos ideal zum Klingen bringt.

Fazit: Starker Tobak, den man nicht so bald vergisst.

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