Nach Deadline: Trump erhält Dokumente von Smithsonian-Museen
Nach massivem Druck vonseiten der Trump-Administration hat die Smithsonian Institution, der größte Museumsverband weltweit, dem Weißen Haus am Dienstag (Ortszeit) zahlreiche Dokumente zu seiner Programmierung und Organisation übermittelt. Das geht aus einer e-Mail des Generalsekretärs Lonnie Bunch an Mitarbeiter hervor, aus dem die New York Times am Mittwoch zitierte. Laut diesem sei die Institution um "Offenheit und Transparenz" bemüht und wolle den Kontakt mit der Regierung aufrechterhalten.
Allerdings ist unklar, ob die Administration, die insbesondere wegen der anstehenden Jubiläumsfeierlichkeiten zum 250. Gründungsjubiläum der USA die Rute ins Fenster stellt, mit den nun übermittelten Unterlagen zufrieden ist. Bereits zuvor hatte Bunch - unterstützt von der "Association of American Museum Directors" - klargestellt, dass die Übergabe von so detaillierten Informationen, wie sie die Regierung verlangt, innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens nicht zu schaffen sei.
Hintergrund der Auseinandersetzung ist die Mission, die US-Präsident Donald Trump in einer Verordnung vom August 2025 festgeschrieben hat. "Wahrheit und Vernunft in der amerikanischen Geschichte wiederherstellen" lautet der Titel der Direktive, die eine klar positive Darstellung US-amerikanischer Geschichte insbesondere in den Smithsonian-Museen festschreibt.
Die Smithsonian Institution, hat bislang eben diese Geschichtsschreibung und -bewahrung nach wissenschaftlichen Kriterien unabhängig, aber mit massiver staatlicher Finanzierung betrieben: Rund zwei Drittel des Budgets von einer Milliarde US-Dollar stammen aus staatlicher Quelle.
Der Museumsverband, der auch den Washingtoner Zoo betreibt, berief sich bei der Auseinandersetzung mit Trump zuletzt oft auf ihre eigenständige Organisationsstruktur, die sie eigentlich dem Zugriff des Präsidenten schützen sollte. Als der Druck anstieg, war die Institution auch zu Zugeständnissen bereit - etwa in der National Portrait Gallery, wo jüngst ein Bild Trumps mitsamt dem Wandtext, der auf seine Amtsenthebungsverfahren verwies, ausgetauscht wurde.
In der Forderung nach der Übermittlung tausender interner Dokumente stellte sich die Institution bislang allerdings taub: Ursprünglich hätte eine solche Übergabe nämlich schon im vergangenen September stattfinden sollen. Die damals übermittelten Dokumente seien aber mangelhaft gewesen, hieß es in einem Schreiben vom 18. Dezember 2025, das eine komplette Übermittlung der Unterlagen bis 13. Jänner einforderte.
"Aktuelle Wandtexte und didaktische Materialien, Ausstellungskonzepte und -budgets, Objektchecklisten für kommende Programme, interne Governance-Richtlinien und die Dokumentation der Befehlskette für die Freigabe von Inhalten sind keine obskuren Archiv-Anfragen", heißt es in dem Schreiben.
"Eine der größten Kräfte für das Gute"
Die Trump-Administration hat die US-Museen seit langem im Visier, weil sie aus ihrer Sicht negative Seiten der US-Geschichte über Gebühr hervorstreichen - das betrifft etwa den Umgang mit indigenen Völkern oder die Sklaverei, an der auch die Gründerfiguren der Staaten aktiv partizipierten.
Nach der verordneten Einstellung von Diversitäts-Programmen, die zum Rückzug mehrerer leitender Mitarbeiter des Museumskonzerns geführt hatten, steigt angesichts der Jubiläumsfeiern nun offenbar die Nervosität.
"Kein Zweifel"
"Wir möchten versichert sein, dass kein leitender Mitarbeiter der Smithsonian-Museen Zweifel daran hegt, dass die Vereinigten Staaten unter den größten Kräften für das Gute in der Geschichte dieser Welt gewesen sind", heißt es in dem Schreiben. "Das amerikanische Volk hat keine Geduld für Museen, das im Bezug auf die Gründung Amerikas zurückhaltend agiert oder dem es in anderer Weise unbequem ist, eine positive Sicht amerikanischer Geschichte zu vermitteln."
Die Erinnerung, dass die Gelder für die Institution nur dann legitim verwendet werden, wenn sie im Einklang mit dem Erlass zur "Wiederherstellung von Wahrheit und Vernunft" stehen, ist ebenso unmissverständlich. Noch ist nicht bekannt, ob und wie die Museen reagieren - und was die Konsequenzen sein werden.
Anmerkung: Dies ist eine aktualisierte Version eines Artikels, der unter dem Titel "Deadline läuft ab: Trump will Dokumente von Smithsonian-Museen" am 13. 1. 2026 veröffentlicht wurde.
Kommentare