Das MUMOK wünscht sich was

Am 9. September öffnet das MUMOK wieder seine Pforten. "Museum der Wünsche" nennt sich die neue Ausstellung und zeigt Werke von Picasso bis Kokoschka.

Weiß, Silber und Gold - das sind die neuen Leitfarben des Museums Moderner Kunst (mumok) - jedenfalls bis zum Ende der am 9. September eröffnenden Ausstellung zum zehnjährigen Jubiläum des Hauses im Museumsquartier: Die seit Oktober 2010 amtierende Direktorin Karola Kraus hat die erste von ihr selbst geplante und kuratierte Ausstellung "Museum der Wünsche" genannt und bespielt dabei das ganze Haus mit einer Auswahl der 9.000 Werke umfassenden Sammlung (Werkbeschriftungen auf weißem Untergrund), ... ... zwischen die geschickt Werke einer Wunschliste verstreut wurden (silberner Untergrund). Manchmal stößt der Besucher auf eine Beschriftung auf Goldplättchen: In diesem Fall konnte der Wunsch bereits erfüllt werden.

Bild:
Pablo Picasso
Femme assise à l’écharpe verte, 1960
Öl auf Leinwand / oil on canvas
195 x 130 cm
Leihgabe der Österreichischen Ludwig Stiftung / on loan from the Austrian Ludwig Foundation 36 von Kraus und ihrem Kuratorenteam rund um Rainer Fuchs erarbeitete Wünsche sind im "Vorab-Katalog" aufgelistet und im Haus verteilt - ein siebenunddreißigster kam in allerletzter Minute dazu und ist erst auf dem Weg ins Museum:

Bild:
Piet Mondrian
Komposition mit Doppellinie und Blau (unvollendet) / Composition with Double Line and Blue
(unfinished), 1935
Öl auf Leinwand / oil on canvas
60 x 50 cm Für die bunten Wanderstäbe des 1978 in Paris gestorbenen polnischen Künstlers Andre Cadere, von denen zu Kraus' Bedauern auf der Art Basel alle verkauft wurden, konnte die Direktorin noch eine andere Quelle erschließen.

Bild:
Jasper Johns
Target, 1967-69
Öl, Collage, Transfertechnik auf Leinwand / oil, collage, transfer technique on canvas
152 x 152 cm
Leihgabe der Österreichischen Ludwig Stiftung / on loan from the Austrian Ludwig Foundation "Die Zusage dafür haben wir erst vorgestern erhalten", freute sie sich am Rande der heutigen Pressekonferenz im Gespräch mit der APA.

Bild:
Andy Warhol
Orange Car Crash, 1963
2-teilig, Acryl, Siebdruck auf Leinwand / 2 parts, acrylic, silksreen on canvas
334 x 412 cm
Leihgabe der Sammlung Ludwig, Aachen / on loan from the collection Ludwig, Aachen Und auch sonst ist einiges in Bewegung in diesem Wünsch-Dir-Was-Spiel: 

Bild: 
Mike Kelley
Lumpenprole, 1991
Installation
610 x 915 cm
Leihgabe der Österreichischen Ludwig Stiftung / on loan from the Austrian Ludwig Foundation Bereits sechs Wünsche konnten dank der Österreichischen Ludwig Stiftung erfüllt werden (darunter eine große Farbfotografie von Cindy Sherman), ...

Bild:
Isa Genzken
Luke, 1986
Beton, Stahl / concrete, steel
209,5 x 52 x 50 cm
Courtesy Galerie Buchholz, Köln/Berlin ... drei weitere Wunscherfüllungen sicherte der Verkauf von 30 Tischen für das heutige Fundraising-Dinner: 

Bild:
Cindy Sherman
Untitled #464, 2008
Farbfotografie / color photograph
214,3 x 152,4 cm
Foto: MUMOK
Dauerleihgabe der Österreichischen Ludwig Stiftung, seit 2010 / on permanent loan from the Austrian
Ludwig Foundation, since 2010 Neben dem 35-minütigen Film "marxism today (prologue)" von Phil Collins und Fotografien von Geta Bratescu kann auch das Archiv des "museum in progress" erworben werden, ... ... dem auf der Ebene "-2" (das neue Leitsystem zählt die Etagen von der Eingangsebene "0" nach oben und unten) eine eigene Präsentation gewidmet ist.

Bild:
Henryk Stażewski
White and Grey Relief no. XIII, 1961
Acryl auf Glasfiber, Holz / acrylic on glass fiber, wood
70 x 50 x 4,5 cm
Foto: Galeria Starmach, Krakau
Courtesy Galeria Starmach, Krakau Der Wert der Wünsche, mit denen die bestehende Sammlung sinnvoll ergänzt und neue Schwerpunkte gebildet werden sollen, reicht von 6.000 Euro für Marzena Nowaks Hula-Hoop-Reifen bis zu 3 Mio. Euro für ein unscheinbar wirkendes Bild von Palermo, einem 1977 gestorbenen Künstler, von dem auf dem Kunstmarkt kaum mehr Werke erhältlich sind.

Bild: 
Albert Oehlen
Münzen, 2005
Öl und Papier auf Leinwand / oil and paper on canvas
230 x 290 cm
Courtesy the artist & Galerie Max Hetzler, Berlin Wünschen wird man sich ja noch etwas dürfen, lautet die Devise der Direktorin, die sich bei der heutigen Pressepräsentation "unglaublich glücklich" zeigte und sich minutenlang in Richtung von Künstlern, Geldgebern und Mitarbeitern "ganz, ganz herzlich" bedankte - nicht nur für das Zustandekommen der Ausstellung, sondern auch für den Umbau, der in Nachtschichten letztlich doch noch abgeschlossen werden konnte: "Das war für uns alle eine Reifeprüfung. Ich denke, wir haben sie bestanden."

Bild:
Stephen Prina
As He Remembered It, Living Room Category Harris, Living Room (Den), No. 1 Harris, Living Room (Den),
No. 2 Hiler, Living Room (Den), No. 3
Acryllack auf PUR-Lack auf Pappelsperrholz, Leinen und Metall / Acrylic paint on polyurethane varnish on
poplar plywood, linen and metal
3 Objekte / three objects
Courtesy Galerie Gisela Capitain, Köln Das direktorale Lob gab Kurator Rainer Fuchs umgehend zurück:

Bild:
Dan Flavin
"monument" for V. Tatlin, 1964
Leuchtstoffröhren / fluorescent tubes
305 cm hoch / height
Stephen Flavin, New york; Courtesy of David Zwirner, New York Er lobte die "präzise, subtile Form der Inszenierung" und die angenehme Teamarbeit für die Schau, die "keine einfache Auflistung der Kunstgeschichte von A bis Z" sei, sondern der Vorschlag für eine neue, offene Sicht, die den Dialog ins Zentrum stelle.

Bild:
Martin Kippenberger
Ohne Titel (aus der Serie Fred the frog) / Untitled (from the series Fred the frog), 1989/90
Öl auf Leinwand / oil on canvas
240 x 200 cm
Courtesy Estate Martin Kippenberger; Galerie Gisela Capitain, Köln Mit jeder neuen, umfassenden Sammlungspräsentation "stellt man auch immer die Kunstgeschichte um", meinte Fuchs.

Bild: 
Ausstellungsansicht / exhibition view
Museum der Wünsche / Museum of Desires
Von links / from left: Mario Merz, Il fulmine colpisce il campo, 1968; Michelangelo Pistoletto, Divisione e
moltiplicazione. Specchio-Angolo, 1976–1990; Pino Pascali, La vedova blu, 1968; Raymond Hains, Seita, 1964 "Museen sind geistesgeschichtliche Umwälzanlagen, deren größter Feind die Selbstmusealisierung ist."

Bild: 
Ausstellungsansicht / exhibition view
Museum der Wünsche / Museum of Desires
Von links / from left: Andy Warhol, Orange Car Crash, 1963, John Chamberlain, Trixie Dee, 1963; Louise
Lawler, Plexi (Adjusted to fit), 2010/2011 So stößt man bei einem ersten Rundgang der grundsätzlich chronologisch aufgebauten (von den Klassikern der Moderne wie Bacon, Giacometti, Picasso oder Kokoschka im obersten Geschoß bis zur jüngsten Kunst ganz unten), doch großzügig gehängten Schau auf nur wenige Ikonen aus der fast 50-jährigen Geschichte des Hauses. Die neue Direktorin Karola Kraus hat die bekannten Trampelpfade verlassen und versucht, neue Wege vorzuschlagen. Auch, wenn sich dabei nicht alle Abzweigungen und Biegungen von selbst erschließen: gut so. "Museum der Wünsche"
10.9.-8.1.2012
MUMOK Wien

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(apa / moe) Erstellt am
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