Konfrontation: Paul Winkler, Hanna Mannsberger, Pilar Borower

© Marcella Ruiz Cruz / Burgtheater

Kritik
01/25/2020

Burgtheater Vestibül: Die Läuterung einer „Kriegerin“ mit Herz

Anja Sczilinski, Leiterin des Burgtheaterstudios, hat den Film "Kriegerin" mit vielen jungen Menschen packend dramatisiert.

von Thomas Trenkler

Mitunter sind Entscheidungen einfach nicht nachvollziehbar. Da bringt das Burgtheater im Kasino eine eher hartleibige Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Europamaschine“; eine wirklich packende Produktion aber, in der es um brennende europarelevante Fragen, um Ausländerfeindlichkeit und fehlgeleitete junge Menschen geht, zeigt man im vergleichsweise winzigen Vestibül.

Dabei hat „Kriegerin“ ohne Zweifel das Potenzial, die Jugend fürs Theater zu begeistern: nicht mit komplexer Bühnenmaschinerie oder raffiniertem Video, sondern mit solidem Handwerk, liebevoll aus der Not geborenen Ideen und großem Enthusiasmus.

In seinem Erstlingsfilm „Kriegerin“ aus 2011 erzählt David Wnendt u.a. von der 20-jährigen Supermarktkassiererin Marisa, die als Mitglied einer neonazistischen Clique in einer ostdeutschen Kleinstadt gegen Asylanten mobil macht. Mehrere Ereignisse bringen die militante Heimatschützerin, die keine Ahnung vom wahren Krieg hat, zum Nachdenken. Und zur Besinnung: Gequält von Gewissensbissen, hilft sie dem minderjährigen Flüchtling Rasul, dessen Schwester Jamila abgeschoben wurde.Tina Müller hat den Film flüssig für die Bühne übersetzt – und die Handlung nach Traiskirchen verlegt. Abgesehen von der Fahrt an die Ostsee, die gar weit weg ist, und einer Wendung, die hierzulande kaum verwendet wird („Mach den Rechner zu, wenn ich mit dir reden will!“), geht sich das gut aus.

Hannah Mannsberger (Marisa), Alice Prosser (Svenja)

Dunja Sowinetz (Andrea, Hausfrau, Sevenjas Mutter), Alice Prosser (Svenja), Wolfram Rupperti (Oliver, Svenjas Vater)

Dunja Sowinetz (Bea, Verkäuferin, Marisas Mutter), Hanna Mannsberger (Marisa)

Hanna Mannsberger (Marisa), Johannes Ayrle (Sandro)

Viktoria Azer (Melanie), Alice Prosser (Svenja), Merlin Miglinci (Benny)

Hanna Mannsberger (Marisa), Johannes Ayrle (Sandro)

Paul Winkler (Rasul, junger Geflüchteter), Pilar Borower (Jamila, Rasuls Schwester, Geflüchtete), Flora Egbonu (Niku Warda, Besitzerin der Imbissbude)

Paul Winkler (Rasul, junger Geflüchteter), Pilar Borower (Jamila, Rasuls Schwester, Geflüchtete)

Merlin Meglinci (Benny), Alice Prosser (Svenja), Alex Kapl (Clemens, Politiker/Kunde)

Paul Winkler (Rasul, junger Geflüchteter), Hanna Mannsberger (Marisa), Pilar Borower (Jamila, Rasuls Schwester, Geflüchtete)

Alice Prosser (Svenja), Johannes Ayrle (Sandro)

Viktoria Azer (Melanie), Hanna Mannsberger (Marisa), Alice Prosser (Svenja), Johannes Ayrle (Sandro)

Populistische Parolen

Anja Sczilinski, die Leiterin des neuen Burgtheaterstudios, hat das berührende Stück mit zwei Profis (Dunja Sowinetz, Wolfram Rupperti) und vielen jungen Menschen erarbeitet. Dass es sich bei den meisten um echte Amateure handelt: Man glaubt es kaum. Ganz besonders Hanna Mannsberger als „Kriegerin“ Marisa vermag zu beeindrucken. Der slicke Jung-Haazee des Alex Kapl geilt mit populistischen Parolen auf, Flora Egbonu betört singend als Warda, deren Imbiss von der Neonazi-Gang kurz und klein geschlagen wird.

Manche Rollen hat Sczilinski gegen das Klischee besetzt (etwa den Flüchtling Rasul mit dem blonden Paul Winkler). Ihr gelingen auch heitere Szenen – und perfekte Übergänge: Zwei marmorierte Treppen (von Anneliese Neudecker) verwandeln sich im Handumdrehen in ein Versteck, eine Wohnung oder einen Supermarkt.

Die bejubelte Premiere fand am Freitag statt – parallel zum Akademikerball. Ein perfekter Kontrapunkt.

Hier unten geht es zu Reportagen von Proben und Interviews mit vielen der jungen Darstellerinnen und Darsteller sowie der Regisseurin.

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