Burgtheater: Stefan Bachmann hat alles richtig gemacht. Fast.

Dem Schweizer, seit dem Herbst 2024 Direktor, ist ein respektabler Start geglückt. Zwei eigene Inszenierungen aber floppten.
Zwei Männer posieren vor einer Wand mit dem Spielplan des Burgtheaters für die Saison 2025/2026.

Der Start ist ihm definitiv geglückt: Jan Philipp Gloger führte das Volkstheater in nur wenigen Monaten aus dem Jammertal in lichte Höhen. An manchen Tagen sollen für einige Produktionen kaum Karten zu bekommen sein. Und doch übt sich das Haus in absurder Geheimniskrämerei: Man gibt partout keine Zahlen preis. Vielleicht, weil man sich für den Erfolg geniert? Oder eher, weil man dann zugeben müsste, wie schlecht es im Vergleich davor, unter Kay Voges, lief?

Ihren Tratschpartner würde es über die Maßen freuen, wenn sich das Volkstheater die staatlichen Bühnen zum Vorbild nähme. Am Mittwoch gab der Chef der Bundestheater (leider zum letzten Mal Christian Kircher) die Besucherzahlen bekannt – wie jedes Jahr zu dieser Zeit. Nicht nur jene der vergangenen Saison, sondern auch die aktuellen: Die Staatsoper bewegt sich weiter am Plafond, die Volksoper steigerte die Auslastung im Zeitraum von Anfang September 2025 bis Ende Jänner 2026 auf erstaunliche 89,1 Prozent – und das Burgtheater auf 82,4 Prozent.

Auch Stefan Bachmann, seit dem Herbst 2024 Direktor, ist also ein respektabler Start geglückt. Denn in der Saison 2018/’19, der letzten vor Ausbruch der vernichtenden Pandemie, kam die Burg unter der Leitung von Karin Bergmann auf 82,2 Prozent. Erstaunlich ist auch die Steigerung gegenüber dem letzten Jahr von Martin Kušej: Die Anzahl der Vorstellungen sank zwar, weil das Kasino am Schwarzenbergplatz wegen Renovierung geschlossen war, von 883 auf 747, die Zahl der Besucher aber stieg von 341.547 auf 368.008.

Und das Ergebnis wäre wohl noch weit besser ausgefallen, wenn Bachmann auf mitgebrachte Produktionen verzichtet hätte. Die Statistik der Saison 2024/’25 legt es schonungslos offen: Übernahmen aus Köln waren die drei schlechtestbesuchten Inszenierungen in der Burg und die schlechtestbesuchte Inszenierung im Akademietheater. „Das große Heft“ schaffte eine Auslastung von 48,2 Prozent, „Akins Traum“ kam auf 53,2 Prozent, „König Lear“ auf 55,2 und „Johann Holtrop“ auf 54,5 Prozent.

Das besonders Bittere für den Direktor: Bei zwei dieser vier Produktionen führte er Regie – und in beiden spielte seine Ehefrau Melanie Kretschmann mit. Ihrem Tratschpartner leuchtet nach wie vor nicht ein, warum die Burg mit wirklich tollen Frauen im Ensemble just für deren Rollen in „Akins Traum“ und „Johann Holtrop“ einen Gast, eben Kretschmann, engagiert. Zumal die Burg aufs Geld schauen muss. Und sollten nicht langsam die Zeiten, in denen der Mann Regie über die Ehefrau führt, überwunden sein? Zu hoffen ist, dass sich auch Sonja Hammerschmid, die auf Kircher folgt, Bachmanns Wunsch, die Ehefrau zum ihm unterstellten Ensemblemitglied zu machen, abschlägig beurteilt.

Ansonsten hat Bachmann alles richtig gemacht. Dazu gehört auch, andere glänzen zu lassen. Die Cashcows waren Nicholas Ofczarek mit „Holzfällen“ (22.208 Besucher, 98,5 % Auslastung) und Nils Strunk mit „Schachnovelle“ (31.540 Besucher, 96,2 %). Alle sechs „Elisabeth!“-Vorstellungen von Stefanie Reinsperger waren ausverkauft, den Liliom spielte sie vor 18.601 Menschen.

Diese Zahlen hat Bachmann sicher ganz genau studiert. Denn am 20. März hat „Wir sind noch einmal davongekommen“ Premiere – in seiner Regie. Ohne Kretschmann, aber mit Ofczarek, Reinsperger, Strunk und Caroline Peters. Mehr Starpower geht fast nicht.

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