Andreas Eschbachs neues Klima-Szenario: Nur die Nacht ist zu ertragen

Andreas Eschbachs "Ins fahle Herz des Sommers": Eine blass erzählte, aber wahrscheinliche Zukunftsvision.
Ein Mann mit Brille und dunklem Sakko sitzt entspannt auf einem Stuhl vor einem hellen, modernen Hintergrund.

Im Genre der Climate Fiction handeln Romane von den Folgen des Klimawandels. Das neue Buch von Andreas Eschbach („Ausgebrannt“, „Das Jesus-Video“) gehört in diese Abteilung. „Ins fahle Herz des Sommers“ spielt in einer Welt, in der es nicht mehr regnet. Eine massenhaft Tote fordernde Pandemie gab es auch. Mitteleuropa ist wegen unerträglicher Hitze fast, Südeuropa ganz unbewohnbar geworden. Die Zivilisation wurde auf eine moderne Steinzeit zurückgeworfen. Strom gibt es nur aus Sonnenenergie. Die meisten sind in den Norden ausgewandert, etwa nach Grönland. 

Ein Geisterdorf

Die Erzählung konzentriert sich auf Fausto, der nicht emigriert ist. Gegen das Virus war er immun, wie auch sein Bruder - deshalb wurden sie zwangsverpflichtet, die Leichen wegzuräumen. Jetzt lebt Fausto - sein Bruder ist umgekommen - in einem Geisterdorf, das er nachts – wenn die Sonne den Asphalt nicht mehr schmilzt und es der brüchige Reifengummi des Fahrrads erlaubt – durchstreift, um zu holen, was in den verlassenen Häusern zurückgeblieben ist. Konserven sind sehr praktisch, allerdings meistens schon verdorben. 

Einmal findet er einen Eintrittsausweis für ein biogenetisches Unternehmen, einmal ein Festnetztelefon, noch mit Freizeichen. Bei beiden ist gleich klar, die werden noch eine Rolle spielen.

Das Cover des Romans "Ins fahle Herz des Sommers" von Andreas Eschbach zeigt einen gelben Kreis vor blauem Himmel und Äste.

Andreas Eschbach: „Ins fahle Herz des Sommers“. Bastei Lübbe. 240 Seiten. 23,95 Euro

Furchteinflößend

Im Ort leben noch ein Pfarrer, die alte Madame Marevaux und die Braques, eine furchteinflößende, weil unberechenbare Bauernfamilie. Und plötzlich lebt im Haus neben dem von Fausto zusätzlich eine fremde Frau. Der macht offenbar die Hitze nichts aus. Dafür muss er sie aus anderen Gefahren retten, die alleinstehenden Frauen in so einem Mikrokosmos von Gesellschaft ohne Perspektive drohen. 

Eschbach hat sich schon spannender und vielschichtiger mit Untergangsszenarien beschäftigt als in diesem Roman. Vieles bleibt sehr andeutungshaft, das ist nicht immer störend. Aber warum ausgerechnet Nigeria, das auch recht weit im Süden liegt, zu einer Art Supermacht geworden ist, wäre ganz interessant gewesen.

Ein weiterer Klimathriller von Andreas Eschbach erscheint übrigens Ende September: "Novembersommer".

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