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Amélie Nothombs neuer Roman: Zwänglerinnen unterwegs

Amélie Nothomb schreibt in "Die unmögliche Rückkehr" über eine Reise ins Kindheits-Eden, mit peinlicher Freundin.
FRANCE-CINEMA-AWARD-CESAR

Japan ist ihr heiliges Land. Als Kind lebte die Diplomatentochter Amélie Nothomb in der Hafenstadt Kōbe. Im Kindheitsroman „Die Metaphysik der Röhren“ schreibt sie von ihrem japanischen Garten Eden, aus dem sie durch den Umzug der Eltern vertrieben wurde und in den sie nicht mehr zurück konnte. Einen erfolglosen Versuch schilderte sie im Roman „Mit Staunen und Zittern“, wo sie beschreibt, wie eine junge Frau als Praktikantin in einem japanischen Unternehmen scheitert. Eindringlich die Szene, in der sie vom Heulen auf dem Klo erzählt: Der Anfang vom Ende. Eine derartige Selbstentblößung ist in Japan undenkbar.

Zwei Kaninchen liegen eng beieinander, eines davon hat ein schwarz-weißes Gesicht.

Amélie Nothomb: „Die unmögliche Rückkehr“. Diogenes. 131 Seiten. 25,50 Euro.

Damenklo

Eine ähnliche Situation, Mentalitätsunterschiede zwischen Europa und Japan, die am Ort der dringenden Bedürfnisse zutage treten, kommt auch im Roman „Die unmögliche Rückkehr“ vor. Die Protagonistin, eine Icherzählerin namens Amélie Nothomb, wartet mit ihrer Freundin in einer langen Schlange vor dem Damenklo. Bei den Herren ist niemand. Die Freundin geht, wie sie das in Europa tun würde, kurzerhand aufs Herrenklo. Die wartenden Frauen sind sprachlos. Amélie wird von ihrem japanischen Über-Ich erdrückt und wartet brav. Ihre Freundin lästert über ihre „Zwangsstörung“.

Dabei bleiben die beiden einander im Lauf der 12-tägigen Reise nichts schuldig, was Zwänge anbelangt. Was Nothomb betrifft: Das macht sie so liebenswürdig. Am liebsten ist sie daheim in Paris und beantwortet Leserbriefe. Täglich fünf Stunden. Mit Hand oder Schreibmaschine geschriebene. Niemals Mails. Sie schreibt selbst nur mit der Hand. Täglich im Morgengrauen. Auch auf der Japan-Reise, die sie zurückführt zum Andenken an den Vater, der den Japanern gerne Nô-Theater vorspielte. Nun, man weiß, woher sie ihre Spleens hat. Japan ist ihr noch immer große Liebe und großes Geheimnis. In Momentaufnahmen schildert sie die Schönheit des Landes. Wie sich der Fuji mit beständigem Wolkenband weigert, sich zu zeigen. Und wie ein Kranich sie ins beste Lokal Kyotos führt und dort selbstverständlich gefüttert werden will.

Kurzer Roman

Nothomb schreibt kurze Romane. Weil ihre Idealvorstellung von Sprache der Haiku ist. Noch ist sie davon entfernt, der neue Roman hat 131 Seiten. Wunderschön, zart und ein bisschen komisch. 

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