Bravourös: Halsbrecherischer Tanz mit einer achtsaitigen Riesengeige

Johannes Brahms bei den Salzburger Osterfestspiele: Die Berliner Philharmoniker begeisterten mit zwei vorzüglichen Solisten
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Von: Helmut Christian Mayer

Es ist schon ein „undankbares“ Stück, dieses Konzert für Violine, Violoncello und Orchester von Johannes Brahms. Denn das „Doppelkonzert“ ist von höchsten technischen Schwierigkeiten, hat aber wenig bravouröse Außenwirkungen, vor allem sein erster Satz irritiert wegen seiner Sperrigkeit. Organisch wie eine „achtsaitige Riesengeige“ wollte der Komponist die beiden Soloinstrumente verschmolzen sehen.

Dies gelang den beiden Solisten der Berliner Philharmoniker bei den Salzburger Osterfestspielen im Großen Festspielhaus problemlos: Noah Bendix-Balgley wusste mit Präzision und kunstfertigen Standards zu überzeugen, Bruno Delepelaire faszinierte mit Präsenz, Durchsichtigkeit und einem betörend schönen Cello-Ton.

Fast ideal, nur teils etwas zu laut und die Geige etwas zudeckend, begleiteten die Berliner unter Tugan Sokhiev. Die beiden Solisten konnten mit dem eigens arrangierten, halsbrecherischen Ungarischen Tanz Nr. 19 von Brahms das Publikum nochmals zum Jubeln bringen.

Viel Autobiografisches, aber auch Literarisches sind in die „Episoden aus dem Leben eines Künstlers“ eingeflossen: Hector Berlioz geniale „Symphonie fantastique“, für 1830 unglaublich neu und der Zeit weit voraus. Besonders beeindruckend war, was der russische Dirigent, der das nächste Neujahrskonzert dirigieren wird, bei den Musikern an Spannung speziell bei den beiden letzten Sätzen herausholen konnte: Beim „Gang zum Richtplatz“ und beim „Hexensabbat“ wurde zugespitzt, flirrend und exzessiv musiziert. Dabei gefielen die Einlagen in allen Instrumentengruppen.

Am Ende war der Traum wie in einem Opiumrausch tatsächlich zum Albtraum geworden und mündete in die stehenden Ovationen des begeisterten Publikums!

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