"Aufputzt is'" jetzt vor "Poppitz" - aber weniger Bonus vom Ministerium

"Aufputzt is'" jetzt vor "Poppitz" - aber weniger Bonus vom Ministerium
„Aufputzt is’“ erreichte Rang 2 in der ewigen Austro-Bestenliste. Publikumserfolg wird künftig aber vom Kulturministerium weniger stark gefördert.

In Umkehrung eines bekannten Werbespruchs könnte man nun Ende Jänner sagen: „Ja ist denn heut' noch Weihnachten?“ Denn die Macher der Weihnachtskomödie „Aufputzt is’“ hatten zunächst mit maximal sechs Wochen gerechnet, in denen die Ernte an den Kinokassen eingefahren sein muss – weil das Interesse an weihnachtlichen Geschichten dann rapide abnehme.

Nun sind neun Spielwochen erreicht und der Film verzeichnete am Wochenende noch immer 3.402 Eintritte in den Kinos. Genug, um eine 23 Jahre alte Bestmarke zu übertreffen. Mit nunmehr 441.823 Besucherinnen und Besuchern nimmt der Film von und mit Gery Seidl (Regie: Claudia Jüptner-Jonstorff) jetzt Rang 2 auf der ewigen Bestenliste österreichischer Kinofilme ein. „Aufputzt is’“ liegt nun vor den Komödien „Poppitz“ aus 2022 (441.446) und „Müllers Büro“ aus 1986 (441.135) und nur hinter dem unerreichbaren „Hinterholz 8“ aus 1998 (617.597).

Der Erfolg der Produktion der Gebhardt Productions brachte dem österreichischen Filmschaffen kurz vor der Ziellinie noch ein insgesamt schönes Ergebnis. Das Österreichische Filminstitut (ÖFI) kannn mit einem Plus von 33,8 Prozent an Kinobesuchen gegenüber 2024 bilanzieren. Noch am Ende des dritten Quartals war man 30 Prozent hinter den Besucherzahlen aus 2024 gelegen. Trotz des späten Kinostarts am 20. November errang „Aufputzt is’“ Rang sechs aller Kinostarts des Jahres 2025 mit 385.000 Zuschauern noch im alten Jahr.

Bully-Effekt

Während US-Produktionen im Vorjahr leichte Besuchsrückgänge verzeichneten (minus 5,7 %), gab es insgesamt bei den Kinobesuchen im Jahr 2025 ein Plus von 8,1 Prozent. Man könne durchaus von einem „Bully Herbig Effekt“ sprechen, sagt ÖFI-Direktor Roland Teichmann. Denn knapp 800.000 Besucher gingen allein in dessen Komödienfortsetzung „Das Kanu des Manitu“. Insgesamt erreichten die Kinos 2025 mit rund 124,6 Mio. Euro Umsatz und mehr als 11 Millionen verkauften Tickets nahezu wieder das Niveau von 2023.

Was der „Manitu“ für Deutschland, ist „Aufputzt is’“ fürs heimische Filmschaffen im Jahr 2025. Es verzeichnete laut ÖFI im Inland sogar sein kommerziell erfolgreichstes Kinojahr seit 2009.

Festivalerfolg zählt künftig mehr

Bei der Referenzfilmförderung, einem Bonus für kommerziell und künstlerisch besonders erfolgreiche heimische Filme, nahm der Aufsichtsrat des ÖFI allerdings Anfang Dezember eine Weichenstellung vor, die den Erfolg an den Kinokassen künftig weniger stark gewichtet.

ÖFI-Chef Teichmann dazu: „Die Zusammenlegung der bisher in künstlerische und wirtschaftliche Erfolge aufgeteilten Referenzfilmförderung bedeutet, dass es ab 2026 nur mehr eine Durchschnittsquote gibt, die sich aus beiden Erfolgskriterien zusammensetzt.“ Tendenziell erhöhe dies die Quote für künstlerisch erfolgreiche Filme und senke sie für wirtschaftlich erfolgreiche. Das liege daran, „dass es bisher in der Regel mehr auf Festivals erfolgreiche Filme als referenzmittelauslösende Filme aufgrund von Kinoticket-Verkäufen im Inland gibt.“

Maximal 800.000 Euro können mit einem Film erreicht werden, die Zuschüsse müssen wieder für neue Filmprojekte eingesetzt werden.

Ministerium: Kulturelle Belange berücksichtigen

Das Kulturministerium begründet die Änderung mit der „gesetzlich definierten Aufgabe, u.a. die Herstellung österreichischer Filme zu unterstützen, die geeignet sind, ,die Qualität, Eigenständigkeit und kulturelle Identität des österreichischen Filmschaffens zu steigern‘“, man müsse „die kulturellen und gesamtwirtschaftlichen Belange des österreichischen Filmschaffens berücksichtigen. Der Aufsichtsratsbeschluss setzt dieses Ziel konsequent um.“

Porträt eines Mannes mit braunen Haaren und einer Lederjacke.

Helmut Grasser.

"Publikumsfilme schlechter gestellt"

Helmut Grasser (Allegro Film), der etwa die Erfolgskomödie „Love Machine“ mit Thomas Stipsits produzierte, sieht das anders: „Der Erfolg von ,Aufputzt is‘ hilft allen – von den Kinos bis zum Popcorn, das dort verkauft wird. Über die Referenzförderung müsste genau so etwas belohnt werden. Das Filminstitut macht mit seiner Richtlinienänderung genau das Gegenteil, es stellt Publikumsfilme schlechter gegenüber Einladungen bei mitunter drittklassigen Festivals.“ 

Er weist darauf hin, dass im 2025 zirka 60 österreichische Filme gestartet sind, die zusammen weniger Publikum erreichten als der Gery-Seidl-Film. „Einiges scheint da wirklich falsch zu laufen“, meint der Produzent.

Laut Auskunft des ÖFI gelten die neuen Richtlinien bereits für alle Anträge für Referenzmittel für das Jahr 2026, die bis 15. Jänner eingereicht werden mussten,, das beträfe dann auch bereits "Aufputzt is'".

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