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Arthur Schnitzlers „Reigen“ in Reichenau: Ringelpiez mit Anfassen

Alexandra Henkel und Dietmar König scheitern ziemlich unbeholfen am erotisch aufgeladenen Stafettenlauf
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2023 veröffentlichte Josh das Lied „Ich gehör repariert“. Zu einer durchaus ähnlichen Diagnose kam Arthur Schnitzer fast eineinhalb Jahrhunderte zuvor ob der Risse in seiner Seele. Der Geliebten besser gefallen werde er, „bin ich erst repariert“. Mit diesem Gedicht aus 1880, vertont von Bernhard Moshammer, endet bei den Festspielen Reichenau der „Reigen“, gesungen vom gesamten Ensemble.

Ja, die Seele ist, wie wir wissen, ein weites Land und ein ödes noch dazu: Ausstatter Dimitrij Muraschov hat im Neuen Spielraum eine „Seelenlandschaft“ in äußerst unwirtlichem Braun ausgebreitet, zusammengenäht aus diversen Teilen. Denn Schnitzler will zu seiner Liebsten erst zurückkehren, „wenn ich zusammen geflickt bin“. All das kapiert man aber erst, wenn man das Programmheft samt Gedicht gelesen hat. Und da ist es schon zu spät, der Ärger über das Gebotene zu groß.

Müder Insiderjoke

Mitunter ist es doch keine so gute Idee, Schauspieler inszenieren zu lassen – und schon gar nicht ein Schauspielerehepaar. Denn der Insiderjoke, dass dieses im „Reigen“ ein Ehepaar verkörpert, rettet keinen auf zweieinhalb Stunden in die Länge gezogenen Stafettenlauf, brutal auseinandergerissen durch eine Pause.

Intendantin Maria Happel hatte ihren Burgtheaterkollegen Alexandra Henkel und Dietmar König mit Stefanie Dvorak, Daniel Jesch und anderen ein prächtiges Ensemble zur Verfügung gestellt. Man konnte, welch Luxus, auf Doppel- oder Mehrfachrollen verzichten: Jede und jeder braucht nur zwei Szenen zu spielen.

Was aber mit dem Personal die übrige Zeit tun? Henkel/König haben gleich einmal ein Intro erfunden: Händchen haltend bildet man in Jahrhundertwendekostümen eine Schicksalsgemeinschaft, ausgeliefert den Trieben und Begierden. Lukas Watzl wird auf die Spielfläche gestoßen – in die Fänge der Dirne. Und aus der Gosse gibt es kein entrinnen. Daher passt es, wenn Therese Affolter zum Finale den 63-jährigen Stefan Jürgens (als Graf) mit „Servus, Bubi!“ begrüßt.

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Stefanie Dvorak als Schauspielerin, Stefan Jürgens als Offizier und Gentleman

Mitunter kann man über Dialoge und Übertreibungen schmunzeln, meist aber staunt man über die Unbeholfenheit. Denn Henkel/König ahnen, dass sie die Vorlage – es gibt nur heterosexuelle Konstellationen, das Stubenmädchen und das süße Mädel haben gefügig zu sein – nicht ganz unkommentiert lassen dürfen, aber sie wissen nicht wie. Und so irrlichtern rezitierende Trios durch den Saal oder man macht im Kollektiv zum Stroboskopblitzgewitter Ausdruckstanz und Ringelpiez mit Anfassen. Bitter.

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