Anton-Wildgans-Preis an Reinhard Kaiser-Mühlecker

Reinhard Kaiser-Mühlecker
Der oberösterreichische Autor wird für seine Akribie und seine Erzählkunst gewürdigt

Reinhard Kaiser-Mühlecker (37) erhält heuer den mit 15.000 Euro dotierten „Literaturpreis der Österreichischen Industrie - Anton Wildgans“. Die renommierte Auszeichnung wird am 9. Dezember vom Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, im Wiener Haus der Industrie überreicht.

„Die Romane und Erzählungen von Reinhard Kaiser-Mühlecker führen in Regionen, in denen vieles stillsteht, weil der Anschluss an die jüngsten Modernisierungsprozesse längst verloren gegangen ist; und sie nehmen Figuren ins Visier, die gewöhnlich als Verlierer oder Entwurzelte angesehen werden. Aber aufs Korn nehmen sie die gängigen Wahrnehmungen, indem sie scheinbar stichhaltige Vereinbarungen mit äußerst verdichteten Erkundungen konfrontieren, die um den Zusammenhang von Geschichte und Mentalität oder Landschaft und Mentalität kreisen, ohne auf eine Pointe abzuzielen“, begründete die Jury (Marianne Gruber, Johann Holzner und Barbara Neuwirth) ihre Wahl.

„Mit einer poetischen Akribie sondergleichen, die an Stifter, Hamsun, Tumler und Handke erinnern mag, doch seit langem schon als ureigenes Markenzeichen der Bücher von Kaiser-Mühlecker gelten darf, wird gegen jedes vorschnelle Urteil Einspruch angemeldet und stattdessen jede Art die Welt zu betrachten, nicht zuletzt auch jede große Erzählung selbst unnachgiebig einer Nachprüfung unterzogen“, so die Jury weiter.
 

Geboren 1982 in Kirchdorf a. d. Krems, wuchs Reinhard Kaiser-Mühlecker im oberösterreichischen Eberstalzell auf und studierte später Landwirtschaft, Geschichte und Internationale Entwicklung in Wien. Sein Debütroman „Der lange Gang über die Stationen“ erschien 2008, es folgten u.a. „Magdalenaberg“ (2009), „Wiedersehen in Fiumicino“ (2011), „Roter Flieder“ (2012) und „Schwarzer Flieder“ (2014). 2016 stand er mit seinem Roman „Fremde Seele dunkler Wald“ auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Im Vorjahr erschien sein Roman „Enteignung“.

Der seit 1962 vergebene Anton-Wildgans-Preis wird auf Vorschlag einer unabhängigen Jury einem Schriftsteller oder einer Schriftstellerin der jüngeren oder mittleren Generation mit österreichischer Staatsbürgerschaft verliehen, „dessen oder deren Werk von hervorragender Relevanz für die literarische und gesellschaftliche Korrelation unserer Zeit ist“. Unter den Preisträgern befinden sich Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard, Michael Köhlmeier, Arno Geiger, Sabine Gruber, Olga Flor, Robert Seethaler und Erich Hackl. Im Vorjahr wurde Daniel Kehlmann ausgezeichnet und hielt eine Aufsehen erregende Dankesrede, in der er - zwei Tage vor dem Bekanntwerden des Ibiza-Videos - das Ende der türkis-blauen Koalition forderte.

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