© Kurier/Juerg Christandl

Kultur
10/09/2020

Albertina-Chef: "Besucherzahlen im freien Fall", aber "sind kein Zombie-Museum"

Klaus Albrecht Schröders Alternativen zu Munch und Modigliani.

von Werner Rosenberger

Die Situation ist dramatisch, der Spielraum stark eingeschränkt. „Die großen Räder, die Wirtschafts-, Außen- und Gesundheitspolitik drehen mit Quarantäne und Reisebeschränkungen an der Museums- und Kulturpolitik letzten Endes mit“, sagt Klaus Albrecht Schröder. „So sind wir heute de facto Getriebene.“

Der Albertina-Generaldirektor im KURIER-Gespräch: „Regionale Reisewarnungen und -beschränkungen entsprechen einem partiellen Lockdown, den die Gesellschaft und die Wirtschaft kaum erträgt. Da kommen weite Teile der Wirtschaft über den Tourismus hinaus zum Stillstand. Obwohl die Gefahr der Ansteckung mit dem Corona-Virus bei vernünftigem Verhalten sehr gering ist.“

Als Museumsdirektor könne er den Betrieb „kaum mehr selber steuern, weil er durch die Maßnahmen Dritter sosehr gesteuert wird, dass sich dadurch – und nicht etwa durch Missmanagement oder unattraktive Programmierung – die Besucherzahlen im freien Fall befinden.“

Geringe Besucherzahlen

Konkret: Die Albertina hatte im August rund 1.100 Besucher täglich – etwa die Hälfte vom Vorjahr. Das Niveau ist im September noch gefallen: Nach Reisebeschränkungen von Ungarn um zwölf Prozent, eine Woche später von der Schweiz um minus sechs Prozent, dann durch Deutschland um minus 30 Prozent.

Nach in den letzten Jahren mehr als einer Million Besuchern werden heuer höchstens 390.000 und 2021 rund 280.000 Besucher erwartet. Ein Verlust, der sich durch keine Sparmaßnahme, Struktur- oder Kapazitätsanpassung kompensieren lässt.

In dieser Situation könnten Großprojekte wie die geplanten Munch- oder Modigliani-Ausstellungen trotz der Zusagen und Verträge nicht durchgeführt werden. Transporte der Leihgaben aus Norwegen oder New York sind nicht gewährleistet.

„Unkoordinierte, uneinheitliche und auch widersprüchliche Regelungen der Regierungen machen etwas so Einfaches wie die Organisation der Kurier-Begleitung von Kunstwerken unmöglich“, so Schröder.

„Aber wir sind ja kein Zombie-Museum, das man künstlich am Leben erhalten muss. Wir stellen blitzschnell gleichwertige Ausstellungen aus den eigenen Sammlungen vollkommen autark auf die Beine, was nur wenige Museen auf der Welt zustande bringen.“

Die Alternative zu „Munch und die Folgen“ (ab Februar 2021) ist „Michelangelo und die Folgen“ über fünf Jahrhunderte hinweg.

„Er war ein Ideal, ein Vorbild für alle, die ihn als unüberbietbar einstuften. Aber auch eine Bezugsgröße für alle, die ihn verteufelt haben. Also man wird nicht nur seine Freunde sondern auch seine Feinde ins Gefecht ziehen sehen“, so Schröder.

The Print 15. Jh. – 1945

Als eventueller Ersatz für Modigliani im Herbst 2021 so gut wie fertig ist eine Schau über die Geschichte des Drucks, „die einem die Augen öffnet“ (Schröder) – Radierung, Kupferstich und Lithografie. Von Dürer über Rembrandt bis Goya, Picasso, Rauschenberg, Warhol, Franz Gertsch und Anselm Kiefer. Und in der Basteihalle Zeitgenössisches von Donald Judd bis Richard Serra.

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