250 Jahre USA auf Netflix und Co.: Amerikas Freiheits-DNA
Marsch ins Blutbad im Kampf um die Unabhängigkeit: aus der Arte-Doku "Die amerikanische Revolution".
Am Samstag feiert die USA, dass es sie seit 250 Jahren gibt. Wer das mit der Boston Tea Party nicht mehr so lückenlos im Gedächtnis hat und Unabhängigkeitskrieg mit Bürgerkrieg (das ist der von „Fackeln im Sturm“) verwechselt, der kann sein historisches Wissen jetzt mit zwei streambaren Doku-Serien auffrischen.
Auf der Arte-Mediathek ist „Die amerikanische Revolution: Geburtsstunde der USA“ abrufbar. Ken Burns, der sich mit Dokumentationen wie „The Civil War“ und „Baseball“ den Titel „Chronist der US-Geschichte“ erwirtschaftet hat, hat ein veritables Mammutwerk vorgelegt. In sechs Folgen, die alle um die zwei Stunden lang sind, verfolgt er minutiös die Geschehnisse von 1754 bis 1780. In der ersten Folge etwa geht es um die Aufstände in Massachusetts, die die Antwort der Siedler auf die Abgabenforderungen der britischen Kolonialmacht waren.
Auch Stimmen von Frauen
Schon die Bestandsaufnahme der Situation der Siedlungsgebiete um 1750, mit der die Doku startet, macht neugierig. Man erfährt einiges, das einem bisher vielleicht nicht so geläufig war. Bis 1750 waren noch an die 80 Prozent des Landes unter indigener Kontrolle. Die Ureinwohner waren für die globale Marktwirtschaft ein wichtiger Faktor, auch sie wollten Produkte erstehen. Apropos Kapitalismus: Am gewinnbringendsten waren für die Briten Barbados oder Jamaika, wohin sie ihre Rüstungsproduktion verlegten. Denn dort war die Bevölkerung zu geschäftsfreundlichen 90 Prozent versklavt.
Die Doku erzählt sich visuell zum Großteil über Gemälde und Dokumente, was überraschend kurzweilig ist. Immer wieder wird der Text unterbrochen von Zitaten aus Briefen oder Tagebüchern der „handelnden“ Personen. Das sind nicht nur die üblichen Verdächtigen à la Benjamin Franklin, sondern auch gar nicht wenige Frauen. Der Ton ist nüchtern und auch nicht sarkastisch, als zum erneuten Mal jemand unabsichtlich das Feuer eröffnet und ein Massaker auslöst. Nur ab und zu kommt Pathos über die Originaltöne ins Spiel.
Bisschen Pathos geht schon
Ein bisschen anders verhält sich das bei der Doku „The American Experiment“ auf Netflix. Die tobt sich pathosmäßig in den ersten Minuten aus, mit entsprechender Musik, eingeblendeten Helden des „amerikanischen Strebens“ (Disney, Jobs, Oprah), und markigen Sprüchen über das amerikanische Wesen wie „Wir finden einen Weg, wo es keinen gibt.“ Danach erzählt der von Tom Hanks produzierte Fünfteiler aber dieselbe Geschichte wie die Arte-Doku, auch mit indigenen Sprechern. Die Historie wird hier stärker über Personen vermittelt, wie George Washington oder John Adams. Hier gibt es mehr Spielszenen, neben akademischen Experten kommentieren auch politische Köpfe wie Hillary Cinton und Ted Cruz.
Bekannte Gesichter sieht man auch bei Larry Davids Beitrag zu 250 Jahre USA. In „Leben, Larry und das Streben nach Unglück“ (HBO Max) führt Ex-Präsident Barack Obama (auch Produzent) mit salbungsvollen Worten in die Szenerie der Entstehung der Unabhängigkeitserklärung ein, in der David das nicht so beachtete Komitee-Mitglied Robert Livingston spielt. In dieser Fake-History legt Livingston seinen ersten Entwurf vor, in dem Forderungen stehen wie „Es ist illegal, eine Warteschlange zu wechseln, wenn man sich einmal für eine entschieden hat“.
Gleich sagt er etwas Unpassendes: Larry David mischt in "Leben, Larry und das Streben nach Unglück" historische Momente der USA auf.
Rosa Parks gibt auf
Larry David, „Seinfeld“-Erfinder und in seiner sich selbst persiflierenden Show „Curb your Enthusiasm“ für das Baden in Fettnäpfchen bekannt, stolpert aber noch in viele weitere historische Momente, die die USA prägten. So ist er im Schützengraben des Ersten Weltkriegs ein enervierend ehrlicher Soldat und er verhindert Rosa Parks’ ersten Versuch, im Weißen-Abteil des Busses sitzen zu bleiben, weil er sie so zutextet, dass sie freiwillig nach hinten wechselt.
Als Grundidee ist so eine satirische alternative Geschichtsschreibung gerade in bedeutungshoheitumkämpften Zeiten wie diesen, besonders in den USA, durchaus angemessen. Die erste von sieben großteils improvisierten Folgen ist auch lustig, wenn auch nicht der ganz große Wurf. Es kommen aber immerhin noch Gaststars wie Jon Hamm und Lin-Manuel Miranda.
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