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Warum die KI Wapplern nicht helfen kann

Lupusramus Kautzky geht in seiner Kolumne "Wortklauberei" den Wörtern auf den Grund.
Wolfram Kautzky
46-224864935

Leser Dr. Wolfgang N., seiner eigenen Aussage zufolge dem Gendern in langjähriger Feindschaft verbunden, hat ein Problem. Der Grund: Der von ihm seit Jahren administrierten Gruppe mit dem Namen „Wappler“ sind neuerdings auch Personen weiblichen Geschlechts beigetreten. Nun ebben die Diskussionen um eine gendergerechte Umbenennung der Gruppe nicht ab. Da die herkömmlichen Varianten (Wapplerinnen und Wappler, WapplerInnen, Wappler:innen, Wappler_innen, Wappler*innen) entweder zu abgedroschen oder orthografisch fragwürdig erschienen, wandte sich Dr. N. zunächst an die KI.

Seine Anfrage bei ChatGPT („Wie drückt man politisch korrekt das Wort Wappler im Plural aus?“) war mäßig erfolgreich. Vorschläge wie „intellektuell herausforderungsorientierte Personen“ oder „Menschen mit suboptimaler Alltagsperformanz und erhöhter Fehlentscheidungsfrequenz“ sind zwar inhaltlich reizvoll, aber als Bezeichnung für eine Whatsapp-Gruppe absolut unbrauchbar. Auch das von Peter Wehle („Sprechen Sie Wienerisch?“) als Synonym angegebene „Schlappschwanz“ erscheint, noch dazu im Plural, wenig adäquat. Zwischendurch wurden von den Beteiligten auch einige Alternativvorschläge eingebracht: Zur Disposition standen die Begriffe „Hirnis“, „Koffer“, „Kasperln“ und „Pfeifen“, die freilich allesamt nicht gendertauglich sind.

Nun wandte sich Dr. N. hilfesuchend an den Wortklauber: „Können Sie uns einen Begriff nennen, mit dem alle Wapplerinnen und Wappler zufrieden sein werden?“ Wie so oft, konnte auch in diesem Fall die lateinische Sprache als Troubleshooter(in) einspringen. Mit großer Wahrscheinlichkeit leitet sich nämlich das Wort „Wappler“ von lat. vapulare, „Prügel bekommen“, ab. Das dazugehörige Nomen vapulo (Plural: vapulones) wäre geradezu prädestiniert für die Gruppe von Dr. N.: weibliche Endung, männliche Bedeutung („Prügelknabe“). Auf die gruppendynamischen Entwicklungen bei den Langzeit-Wapplern und Neo-Wapplerinnen ist der Wortklauber gespannt.

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Fundstück der Woche: „Als Schalke 04 im vergangenen Sommer Miron Muslic als neuen Trainer präsentierte, hatten viele den Kopf gerümpft.“ (KURIER) – Gut möglich, dass sie dazu auch die Nase geschüttelt haben.

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Wolfram Kautzky ist Philologe und geht gerne den Wörtern auf den Grund.

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