Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Über Pudel, Planscher und Pleitiers

Lupusramus Kautzky geht in seiner Kolumne "Wortklauberei" den Wörtern auf den Grund.
Wolfram Kautzky
Nilo, a Standard Poodle dog, uncommonly trained to save lives at Las Lindes beach as the latest member added to a dog rescue team, in Torrox

In „Frühstück bei mir“ (Ö3) erwähnte Buchautor Thomas Raab, dass er einst einen Shitstorm abbekommen habe, weil in einem seiner Krimis ein kleiner Schoßhund zu Tode kommt. Damit sich niemand aufpudelt, erzählt der Wortklauber also heute nichts von seinem letzten Tritt ins Glück (obwohl sich da der Begriff Shitstorm geradezu aufdrängen würde), sondern beschränkt sich auf einige unverdächtige Anmerkungen zum Aufregerthema Nummer eins. 

Wussten Sie z. B., ...

... dass die alten Römer vor ihren Villen Hundewarnungen in Form von Mosaiken anfertigen ließen? Mit den Worten „Cave canem“ („Hüte dich vor dem Hund“) wurden zwar nicht die Briefträger (die gab es damals noch nicht), aber potenzielle Einbrecher (die gab es damals sehr wohl) gewarnt.

… woher die Redewendung „auf den Hund kommen“ (= in eine schlechte Lage geraten) stammt? Eine gängige Deutung führt diese Redensart darauf zurück, dass am Boden von Geldtruhen oft ein Hund aufgemalt oder eingeschnitzt war. War das Geld in der Truhe aufgebraucht, kam das Bild zum Vorschein – und der Besitzer war pleite.

… bei welcher Hunderasse das Apportieren schon im Namen steckt? Es ist der so beliebte „Retriever“ (der häufig irrtümlich als „Red River“ bezeichnet wird): das engl. Verb to retrieve bedeutet „zurückbringen“.

… wieso der „Dackel“ so heißt? Weil diese Hunderasse auf das Aufspüren von Dachsen im Bau abgerichtet wurde, wurde der „Dachshund“ ab dem 19. Jahrhundert auch kurz und bündig „Dackel“ genannt.

… woher der Pudel seinen Namen hat? Das Verb „pudeln“ bedeutete ursprünglich „im Wasser plätschern“. Dementsprechend wurde der Pudel so genannt, weil er gerne planscht (und danach pudelnass ist).

Dass der Pudel auch für den Ausdruck „pudelnackt“ herhalten muss, erklärt sich durch sein Nackerbatzl-Aussehen nach dem Scheren seines wollenen Fells. Im Dunklen liegt dagegen die Herkunft des Wortes „splitterfasernackt“: Selbst der Herkunftsduden gibt sich da ziemlich – bedeckt.

***

Fundstück der Woche: „Einmalige Gelegenheit: Giftpflanzen verkosten“ (Veranstaltungskalender der Garten Tulln) – Sollten die nächsten Kolumnen ausfallen, hat der Autor an diesem Workshop teilgenommen.

***

Wolfram Kautzky ist Philologe und geht gerne den Wörtern auf den Grund.

Kommentare