Von Poufs, Puffern und Puffs
Fast alle „Millionenshow“-Gäste kannten den Namen dieses Möbels.
Unlängst wurde in der ORF–„Millionenshow“ folgende Frage gestellt: „Wer im Möbelgeschäft nach einem Pouf fragt, sucht A) ein Liegesofa, B) einen Stehtisch, C) einen Lehnstuhl, D) einen Sitzhocker“. Erstaunlicherweise wusste das Publikum mit überwältigender Mehrheit (95 Prozent), dass es sich um einen (gepolsterten) Sitzhocker handelt. Moderator Armin Assinger hingegen ließ durch den Satz „In diesem Zusammenhang hab ich das noch nie gehört!“ aufhorchen.
Der Wortklauber vermutet, dass Herr Assinger ganz etwas anderes im Kopf hatte, möglicherweise ja den „Puffärmel“. Dieses heute ins Hintertreffen geratene Kleidungsstück zeichnet sich dadurch aus, dass die Ärmel besonders bauschig sind – wodurch der Zusammenhang zum gepolsterten Sitzhocker und seiner französischen Bezeichnung pouf hergestellt ist: Auch dieser hat an seiner Oberseite einen Puff, also weichen „Bausch“. So erklärt sich auch der Begriff „Puffer“: Er ist der „Stoßdämpfer“ zwischen Eisenbahnwaggons und hat dem „Pufferstaat“, der als Kleinstaat zwischen Großmächten existieren muss, den Namen gegeben.
Sollte Herr Assinger doch nicht an Puffärmel, sondern an die Bezeichnung für ein phonetisch verwandtes Etablissement gedacht haben, stellt sich die Frage: Wieso wird ein Bordell „Puff“ genannt? Der Ursprung des Wortes liegt in der Lautmalerei – „puff“ ahmt ein Geräusch nach, wie z.B. beim Entweichen von Luft, einem Zusammenprall oder dumpfen Knall (vgl. im Wienerischen die Bezeichnung der Pistole als „Puff’n“). Bereits seit dem 13. Jahrhundert findet sich „Puff“ auch als Bezeichnung für ein Brettspiel mit Würfeln (bekannt auch als Tricktrack-Spiel bzw. Backgammon) – hier wird auf das Geräusch Bezug genommen, das beim Aufschlagen der Würfel entsteht. Seit dem 18. Jh. wurde der Begriff auch als Euphemismus verwendet: Wollte ein Mann den anrüchigen Bordellbesuch verklausulieren, gab er vor, „Puff spielen“ zu gehen. Wir lernen: Der Weg vom Brettspiel zum Bettspiel war kein langer.
Fundstück der Woche: „Hundekot ist vom eigenen Hund unverzüglich zu entfernen“ (Gemeindezeitung von Müllendorf/Bgld.) – Hunde gelten ja generell als sehr gelehrig. Von diesem Kunststück war jedoch bis dato nichts bekannt.
Wolfram Kautzky ist Philologe und geht gerne den Wörtern auf den Grund.
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