Über echte und falsche Wölfe
In ungarischen Behörden derzeit intensiv im Einsatz: der Reißwolf.
Am vergangenen Samstag waren im ersten „Buch“ des KURIER folgende Schlagzeilen zu lesen: „2025 gab es mehr Wölfe, aber weniger Rudel“ (S. 12); „Die Schauermärchen über den Wolf“ (S. 9); „Wolf erhebt Einspruch gegen die Anklage“ (S. 7). Angesichts dieser bemerkenswerten Dichte an Wolfssichtungen (okay, Letztgenannter ist kein Beutegreifer, sondern Industrie-Manager und gehört hier nur bedingt dazu) möchte sich der Wortklauber, selbst Träger eines einschlägigen Vornamens, heute dem viel zitierten Raubtier widmen.
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Der Wolf (lat. lupus) genießt ja nicht überall die höchsten Sympathiewerte, wie einige Redensarten zeigen: „Hunger wie ein Wolf haben“ (= extrem gefräßig sein), „unter die Wölfe geraten“ (= in eine feindselige Umgebung kommen), „ein Wolf im Schafspelz sein“ (= harmlos tun, aber gefährlich sein).
Zwei weitere Redewendungen nehmen auf die unterschiedlichen Lebensformen des Wolfes Bezug: Wer ein „einsamer Wolf“ ist, bevorzugt ein solitäres Dasein (und hasst z. B. Großraumbüros), wer „mit den Wölfen heult“, ordnet sich dem Rudel unter (und akzeptiert möglicherweise zähneknirschend das Großraumbüro).
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Für Angst und Schrecken sorgte über Jahrhunderte der Werwolf. Der Name dieser seltsamen Spezies hat lateinische Wurzeln: Die Silbe „Wer-“ geht auf lat. vir („Mann“, vgl. viril etc.) zurück – beim Wer-Wolf handelt es sich also um einen Menschen, der sich (meist bei Vollmond) in einen Wolf verwandelt (wie das geht, zeigte Michael Jackson im Video zu seinem Song „Thriller“).
Vergleichsweise harmlos ist der Wolf in einem anderen Kontext: Wer sich beim langen Wandern, Laufen oder Reiten einen „Wolf geholt“ hat, leidet unter einer wundgeriebenen bzw. entzündeten Haut zwischen den Oberschenkeln oder den Gesäßbacken. Das Po(po)sitive an dieser Form des Lupus: Um ihn fernzuhalten, braucht man keine teuren Weidezäune oder Hirtenhunde, sondern lediglich wohlfeile Vaseline oder billigen Hirschtalg.
Fundstück der Woche: „Rindschnitzel vom Rind, kg 24.99“ (Preisschild in einer SPAR-Filiale): Der Kunde dankt für diesen Hinweis – andernfalls würde er vielleicht zum Rindschnitzel vom Schwein oder der Pute greifen.
Lupusramus Kautzky ist Philologe und geht gerne den Wörtern auf den Grund.
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