Katastrophen mit Apostrophen
Teile dieser Tafel wurden von Sprachschützern sogar legitimiert.
Hier ein kleiner Test für Sprachexperten. Welche der beiden Versionen stimmt?
a) Papas/Papa’s Geburtstag
b) ins/in’s Schwitzen kommen
c) Markus’/Markus Tochter
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Sie merken schon: Hier geht es um das Auslassungszeichen, den Apostroph. Eigentlich sollten wir dieses Satzzeichen ja hoch schätzen. Die Regeln sind nämlich überschaubar und umfassen im Duden nicht einmal zwei Seiten (im Vergleich dazu sind die 7 Seiten Bindestrich- und 22 Seiten Komma-Regeln eher für Masochisten geeignet). Salopp gesagt, hat der Apostroph zwei Funktionen: Verpflichtend ist er zu setzen, um bei Wörtern auf -s, -x, -z den Genitiv anzuzeigen (Hans’ Vorschlag, Max’ Eltern, Heinz’ Geburtstag). Andererseits kann der Apostroph einen Vokal ersetzen, und zwar meistens ein „e“ („Weißt du, wo’s langgeht?“; „Ich hab g’nug!“). Bei leicht lesbaren Verbindungen ist aber auch die Zusammenschreibung zulässig: „Wie geht’s/gehts dir?“, „Wenn’s/Wenns weiter nichts ist…“, „Machen Sie sich’s/sichs bequem!“
2024 hat der Rat für deutsche Rechtschreibung eine epochale Entscheidung getroffen: Der Apostroph darf nun bei allen Eigennamen (also auch solchen, die nicht auf -s, -x, oder -z enden) zur Markierung des Genitivs gesetzt werden, „wenn die Gesamtkonstruktion ein Eigenname ist“ – eine Liberalisierung, die wohl als Analogie zum Englischen zu sehen ist (vgl. McDonald’s etc.). Angenommen also, sie heißen Kevin, möchten ein Tattoostudio eröffnen und dieses mit Ihrem Namen schmücken: Ab sofort können Sie es nicht nur, wie bisher, „Kevins Tattoostudio“ nennen, sondern gerne auch „Kevin’s Tattoostudio“. Aber Achtung: Den sog. „Deppenapostroph“, also den fälschlich gesetzten Apostroph beim Genitiv, gibt’s weiterhin: Hat Kevin kein Tattoostudio, sondern wenig Haarwuchs, handelt es sich um „Kevins Glatze“ und nicht um „Kevin’s Glatze“.
Test-Auflösung: a) Papas, b) ins, c) Markus’
Fundstück der Woche: „Vor den zahlreich im Dom versammelten Gläubigern fand der gelernte Kirchenmusiker den richtigen Ton“ (Heute über die Osterpredigt des neuen Erzbischofs) - Dass die Kirche schon mehr Gläubiger als Gläubige hat, wirft kein gutes Licht auf ihre Finanzgebarung.
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Wolfram Kautzky ist Philologe und geht gerne den Wörtern auf den Grund.
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