Maria In der Maur Koenne ist Rechtsanwältin in Wien.

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Kolumnen
06/23/2021

Worauf bei einem Ehevertrag zu achten ist

Die Rechtsanwältin Maria In der Maur-Koenne beantwortet juristische Fragen zu praktischen Fällen aus dem großen Reich des Rechts.

Wir holen heuer im Sommer endlich unsere Hochzeit nach. Mein zukünftiger Mann drängt jetzt aber noch auf einen Ehevertrag, weil er bei seiner ersten Scheidung so schlechte Erfahrungen gemacht hat. Ich soll im Falle einer Scheidung gar nichts bekommen. Geht das überhaupt? Was können wir in einem Ehevertrag überhaupt regeln?

Sonja H., Salzburg

Liebe Frau H., zunächst herzliche Gratulation zur bevorstehenden Hochzeit!

Durch einen Ehevertrag können Sie die im Gesetz vorgesehenen Regelungen im Falle einer Ehescheidung einvernehmlich abändern. Zu wessen Vorteil die Regelungen bei der Ehescheidung am Ende sind, ist nicht immer sicher, da niemand die Zukunft kennt. Dennoch hat zumeist der vermögende Ehepartner und vor allem jener Ehegatte, der in den Jahren der Ehe mit einem hohen Vermögenszuwachs rechnet, das größere Interesse an einem Ehevertrag.

Welche Regelungen in einem Ehevertrag sinnvoll und notwendig sind, ist sehr individuell. Jüngere Ehepartner, die erst am Anfang einer Karriere stehen und die gemeinsame Kinder planen, brauchen zumeist andere Regelungen, als ältere Ehegatten, deren Familienplanung bereits abgeschlossen ist und die bereits Vermögen haben.

Allgemeingültige faire Regelungen gibt es daher nicht. So kann etwa auch die von Ihrem zukünftigen Mann vorgeschlagene Regelung, dass es im Falle einer Scheidung zu keiner Vermögensaufteilung kommen soll, durchaus fair sein. Dabei vereinbaren die Ehepartner, dass jeder im Falle einer Trennung sein Vermögen behält. Gehen Sie aber davon aus, dass Ihnen ein Vermögensaufbau nicht möglich sein wird, da Sie planen, sich der Kinderbetreuung zu widmen, wohingegen Ihr Mann weiter einen gut bezahlten Job ausübt, so wäre eine derartige Regelung für Sie von großem Nachteil. Ihr zukünftiger Mann könnte von seinem Einkommen Ersparnisse zur Seite legen, an denen er Sie im Falle einer Scheidung dann nicht beteiligen müsste. In diesem Fall müsste wohl über eine entsprechende, bereits vorab festgelegte Ausgleichszahlung nachgedacht werden. Diese kann sich etwa an der Dauer der Ehe oder auch an der Anzahl gemeinsamer Kinder orientieren.

Ähnliche Überlegungen gelten für die Regelungen betreffend einen nachehelichen Ehegattenunterhalt. Verzichten Ehepartner im Rahmen eines Ehevertrags bereits vorab auf nachehelichen Unterhalt, so kann dies für den einkommenslosen Ehepartner später von großem Nachteil sein. Andererseits würde eine derartige Regelung aber auch klarstellen, dass jeder Ehegatte für sein Einkommen selbst verantwortlich ist und keiner könnte sich der Illusion hingeben, auch im Falle einer Scheidung finanziell jedenfalls abgesichert zu sein.

Häufig werden auch Regelungen betreffend die Ehewohnung getroffen. Hier wird zumeist geregelt, dass jener Ehegatte, dem die Ehewohnung gehört, oder der sie angemietet hat, auch nach einer Trennung in der Wohnung bleibt, wohingegen der andere Ehepartner binnen einer bestimmten Frist auszuziehen hat.

Eheverträge schaffen jedenfalls so weit möglich Klarheit und Sicherheit über die finanzielle Situation im Falle der Ehescheidung. Eine gute Beratung ist aber jedenfalls notwendig, um eine für beide Ehepartner faire Regelung zu finden.

rechtpraktisch@kurier.at

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