Johanna Sebauer

Johanna Sebauer im WM-Fieber: Warum ich für Deutschland juble

In Österreich ist man beim Fußball gern gegen Deutschland. Warum eigentlich?

Hiermit werde ich mir keine Freunde machen, aber sei’s drum: Ich bin für die Deutschen. Bin also eine Übergelaufene. Was soll ich machen, ich mag sie einfach. Ich mag sie schon seit 2010 in Südafrika. Neuer, Özil, Müller, Khedira, eine Freude war das damals, ihnen zuzuschauen. Der gemeine österreichische Fußballfan verfällt ja, sobald es um Deutschland geht, in frühkindliches Trotzverhalten.

Egal gegen wen Deutschland spielt, man ist immer für die anderen. Alles wurscht, Hauptsache, die Deutschen verlieren. Spielt dann Österreich einmal gegen Deutschland, überkommt sämtliche Sport-Kommentatoren ein eigenartiges, sehr österreichisches Fußball-Tourette. Keine Moderation, keine Analyse gelingt, ohne dass das Wort Córdoba über die Lippen rutscht.

Es ist so: Ich habe elf Jahre lang in Deutschland gelebt. Das Land und seine Bewohner sind mir mehr als fest ans Herz gewachsen. Viele Länderspiele habe ich dort verfolgt, unter anderem das legendäre 7:1 gegen Brasilien bei der WM 2014 und ein paar Tage später den jahrhundertschönen Siegestreffer von Mario Götze gegen Argentinien nach 112 unendlichen Minuten. Hinterher hab ich auf den Straßen Hamburgs den Autokorsos zugewunken und mich einfach gefreut. Ich bin für die Deutschen, ich kann nicht anders.

Der Deutschland-Degout der Österreicher geht über den Fußball hinaus. Selbst jene, die von sich behaupten, überdurchschnittlich weltgewandt zu sein, sind der Meinung, über die depperten Piefke werde man sich wohl noch lustig machen dürfen. Ist ja nicht ernst gemeint, ist ja nur Schmäh. Jo, eh ... Aber es ist vor allem ausgelutscht. Und schön langsam etwas peinlich, oder? Aber was weiß ich schon. Ich bin ja eine Übergelaufene.

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