Johanna Sebauer im WM-Fieber: Wenn der Spielplan den Alltag bestimmt
Zwischen Deadlines und Anpfiff: Wie die Fußball-WM plötzlich Struktur in den freien Alltag bringt.
Von Johanna Sebauer
Für uns Freiberufler sind Fußballweltmeisterschaften auch deswegen eine besonders tolle Zeit, weil sie Struktur in unsere Tage bringen. Endlich Termine! Als freiberufliche Autorin ohne Care-Verpflichtungen bin ich, was die Tagesplanung betrifft, unendlich frei. Ich habe weder direkte Vorgesetzte, noch Kollegen, mit denen ich mich in täglichen Meetings abstimmen müsste.
Insofern interessiert es unmittelbar niemanden, ob ich mich an den Schreibtisch setze und meine Texte schreibe, oder ob ich es nicht tue, sondern den ganzen Tag spazieren gehe und Wölkchen in der Luft zähle. Sobald allerdings die WM beginnt, gibt es für mich knallharte Deadlines. Ich folge dem strengen Regiment des Spielplans. Alle Arbeiten müssen präzise um ihn herumgebaut werden, damit nur ja kein Spiel, und möge es auch noch so unbedeutend scheinen, versäumt wird.
Das Buchkapitel muss bis zu einer bestimmten Uhrzeit fertig sein, weil später spielt Paraguay gegen Usbekistan! Alle Telefonate mit dem Agenten und der Lektorin müssen erledigt, alle E-Mails verschickt, alle Korrekturen eingepflegt sein, denn danach habe ich vor dem Fernseher zu sitzen und drei Spiele hintereinander zu schauen. Während so einer WM fühlt man sich als selbstständige Autorin wieder wie ein normaler Mensch mit einem anständigen Beruf.
Wie jemand, der täglich irgendwo zu erscheinen hat. Bei dieser WM wird die Terminplanung allerdings eine besondere Herausforderung werden. Die Spiele finden ja bekanntlich in Nordamerika statt, wohin wir sechs bis neun Stunden Zeitverschiebung haben. Da wird einiges an Kalenderakrobatik notwendig sein. Aber sei’s drum. Denn egal ob 11 Uhr vormittags oder 4 Uhr morgens – Termin ist Termin!
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