© Ela Angerer

Sex in der Freizeit
03/03/2019

Weibliche Lust: Gelangweilte Frauen?

Wer das Wort Affäre hört, denkt dabei meist an Männer. Es sind aber die Frauen, die in Langzeitbeziehungen rasch die Lust verlieren.

von Gabriele Kuhn

Das Bild der Frau der still Duldenden, die irgendwann einmal mit der Untreue ihres Ehepartners rechnen muss, passiv herumsitzt und an Kummer ergraut, hat sich gewandelt – Gott sei Dank.

Auch Frauen gehen fremd und das häufiger, als es dem tradierten Bild entspricht. Das Dilemma: Alle Menschen sehnen sich irgendwie nach Monogamie, doch nicht wenige hadern zugleich damit. Das gilt für Frauen UND Männer. Längst ist bewiesen: Sie spielt ebenfalls gerne mit dem Feuer, vielleicht macht sie es ein bisschen anders als er, und vielleicht tut sie es aus anderen Beweggründen. Aber sonst?

„Langweiliger Sex“, heißt eine Geschichte, die vor Kurzem auf der Website von  „The Atlantic“ erschienen ist, und von einer Frau namens Wednesday Martin geschrieben wurde. Sie ist Autorin eines Buchs, das sich mit weiblicher Untreue und weiblichem Begehren beschäftigt – Titel: „Untrue“ („Untreu“, aber auch: „Unwahr“). Darin kommen zahlreiche Wissenschaftler zu Wort, die die These „Frauen als Hüter der Zweisamkeit“ widerlegen. Ganz im Gegenteil: Es sind  in Wirklichkeit die Frauen, die rascher als ihre Ehemänner die Lust am Langzeitbeziehungs-Sex verlieren – weil es mit der Zeit an Glanz und Überraschung mangelt. So haben britische Wissenschaftler von der University of Southhampton und der University College London im Jahr 2017  eine Studie veröffentlicht, in der sich zeigte, dass die Lust-Baisse bei Frauen doppelt so oft vorkommt wie bei Männern. Männer sind diesbezüglich leichter zufriedenzustellen, also „bescheidener“. Pardon, aber – Hauptsache: ein bisschen Spannungsabbau, es schnell tun – und dabei kommen. Frauen reicht ein routiniert gewordenes Reinraus relativ rasch nicht mehr, sie leiden besonders an Sprachlosigkeit, emotionaler Distanz – und den Routinen des Alltags. Was die Forscher ebenfalls herausfanden: Das alles hat nichts mit der Menopause zu tun – was ja Frauen gerne  umgehängt wird. 

Bequeme Monogamie

Monogam zu leben, in einer Gesellschaft, die das Prinzip „Treue“ nach wie vor als einzig wahren Weg feiert, hat ja auch angenehme Seiten. Es ist vor allem einmal bequem: Idylle statt Stress mit einer heimlichen Affäre. Es bedeutet Geborgenheit, Verankerung, Sicherheit. Parallel dazu gibt es jedoch – fast immerzu – ein Sehnen. Mal mehr, mal weniger –  je nachdem, wie sehr ein Mensch es zulässt und es nicht verdrängt. Sehnsucht nach einer neuen und anderen Erfahrung, nach der Begegnung mit dem Fremden, nach Erobern und Begehrtwerden. Schwer in Einklang zu bringen.

Gibt es darauf eine – praktikable – Antwort? Wednesday Martin schreibt von  „Grauen Zonen“, jenen schmalen Bereichen, in denen sich Menschen so frei bewegen können, dass sie Fremdes erleben, ohne wirklich fremdgehen zu müssen. Zum Beispiel in Form von  E-Mail-Affären, Besuchen in Nachtklubs oder Massagen mit „Happy Ending“. Dinge, die  vor allem Männern vorbehalten waren, indem ihre Frauen ein Auge zudrückten, weil sie die Beziehung nicht gefährden wollten und halt „Männer so sind“. Höchste Zeit, zu akzeptieren, dass auch Frauen so sein können und, ja: dürfen. Genau darüber sollten Partner ganz oft miteinander reden.