Kolumnen
03/24/2019

Von einer Schlappe wird erst in drei Tagen geredet

"Tagebuch": Prohaska graut schon vor Anrufen von Reportern, die ihn fragen, wie das im 99er-Jahr mit den neun Trümmern war.

Bei allem Respekt vor David Alaba - dessen Fehlen darf in Haifa keine Rolle spielen. Vor Österreichs letztem Spiel in Israel, wo Andreas Herzog mit einem späten Tor zum 1:1 Israels WM-Träume platzen ließ, hatten gar zehn Mann abgesagt. Die zehn (unter ihnen der heutige Rapid-Coach Didi Kühbauer und der aktuelle Austria-Trainer Robert Ibertsberger) verweigerten aus Terrorangst die Reise nach Israel. Dort empfand man diese Haltung als Affront. Dabei schienen die Bedenken der streikenden Zehn nachvollziehbar, umso mehr, da eine von Tel Aviv aus gestartete Maschine mit 78 Personen vier Tage vor dem geplanten Spiel ins Schwarze Meer gestürzt war.

Dass es sich um keinen Terroranschlag, sondern um einen fatalen irrtümlichen ukrainischen Raketentreffer gehandelt hatte, wurde erst verkündet, als das Match auf Befehl von FIFA-Präsident Joseph Blatter bereits verschoben war.

Leere Kilometer

Zwei Kollegen und ich befanden sich zum Zeitpunkt des Absturzes schon auf dem Weg nach Tel Aviv. Leere 2400 Flugkilometer. Unser Besuch stieß auf Ablehnung. Kapitän Eyal Berkovic ließ mitteilen, dass er nicht daran denke, je mit einem Österreicher zu reden. Derselbe Berkovic, der 17 Jahre später als populärer Medienmacher Herzogs Verpflichtung zum Teamchef heftig kritisierte.

Nie hätte Berkovic gedacht, dass er sich (wie im Camp passiert) mit Herzog versöhnen würde. Auch die Tatsache, dass beim ersten Sieg unter Herzog fünf Araber in Israels Startelf standen, war 2001 noch unvorstellbar gewesen. Dass die Fünf ein Triumphfoto von sich via Instagram verbreiteten, gefiel Sportdirektor Willi Ruttensteiner weniger. Auch Munas Dabbur musste zum Rapport.

Der Salzburg-Legionär ist genau der Typ, der Franco Fodas Team fehlt. Ein Torjäger, der in Spielen auf Augenhöhe den Unterschied ausmachen kann. So wie einst der (wenn auch meist aus der Etappe gekommene) heutige Dabbur-Förderer Herzog. Mindestens genauso wertvoll aber war beim 1:1 am 27. Oktober 2001 der damals 39-jährige (zuvor eingebürgerte) Zeljko Vukovic als Abwehrchef und als das bis heute älteste „Teambaby“ der ÖFB-Geschichte gewesen.

Ebenfalls in Tel Aviv und ebenfalls als Libero hatte zwei Jahre davor (der zur Zeit bei Rapid als Sportchef gehandelte) Zoran Barisic sein Debüt „gefeiert“. 0:5. Wobei Barisic unter Teamchef Otto Baric noch Schadensbegrenzung betrieb und eine Abfuhr wie 90 Tage davor in Valencia verhinderte.

ORF-Analytiker Herbert Prohaska graut schon vor den Anrufen von Reportern, wenn die ihn fragen, wie das im 99er-Jahr mit den neun Trümmern war. Denn am Mittwoch sind’s genau 20 Jahre, seit Österreich unter Coach Prohaska gegen Spanien 0:9 verlor.