Vea Kaisers "Fabelhafte Welt": Die Zukunft des Winters
Über Möglichkeiten, Entscheidungen und einen erbarmungslosen Endgegner Namens Skischuh
Mein Dottore Amore ist überzeugt, dass der liebe Gott ihn für vieles geschaffen hat: zuhören, helfen, Kaffee trinken. Wofür allerdings nicht, ist Skifahren. Er hat panische Höhenangst und friert schnell. Wenn ich morgens im Obergeschoß das Fenster öffne, um frische Luft hereinzulassen, tönt spätestens fünf Sekunden später von der Kaffeemaschine: "Willst du mich umbringen? Ich dachte, du liebst mich!"
Freunde mit spektakulären Dachgeschoßwohnungen werden nicht besucht, Türme aller Art meidet er. "Was soll ich da oben? Ich bin doch keine Fledermaus." Ich selbst habe das Skifahren wiederentdeckt, jedoch keinen missionarischen Eifer entwickelt. Am liebsten fahre ich ohnehin mit Freundinnen oder Bekannten, nicht alles muss man mit der Familie erleben.
Ein komfortabler Skiurlaub zu viert kostet inzwischen zudem so viel wie eine Fernreise. Ich hatte mich also damit abgefunden, unseren Familienwinterurlaub künftig eher im Warmen zu verbringen. Doch das Schicksal hat Humor: Mein skiverabscheuender Mann hat das größte Skihaserl der Ostalpen gezeugt. Unser Ältester ist viereinhalb und fährt stundenlang.
Den ganzen Winter hindurch schnallt er sich bei jeder Schneeflocke die Ski im Garten an – selbst die Gerade will geübt sein. Die Zukunft unserer Familienwinter hängt nun also am Jüngsten. Er will so lustig den Hang hinunterbrettern wie sein Bruder, hasst aber alles, was eng ist – besonders an den Füßen. Im Skischuh fand unser Zweitgeborener seinen Endgegner. Kommende Woche fahren wir mit Freunden Skifahren. Es wird der Urlaub der Entscheidung. Unsere winterliche Lebensplanung liegt, wie das vernünftige Erwachsene so machen, nun in den Händen eines Zweieinhalbjährigen. Wobei, eigentlich in seinen Füßen.
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