Kühl betrachtet steht es bei Sommerfrische vs. Klimawandel 0:1
Wo ist es noch so kühl, dass wir einen klaren Kopf bewahren? Hier: Draupaddelweg.
Wir stecken (schon wieder) in einer Hitzewelle, die das Wort Sommerfrische in nahezu humanistischem Antlitz scheinen lässt. Wenn sogar vermeintlich kühlende Bergseen Richtung siebenundzwanzig Grad dahinwallen und das Lüftchen unter einem knorrig gewachsenen Baum in schattiger Wiese daherkommt wie das Saunameister-Wacheln nach dem Aufguss –, dann fragt man sich, wo der Sommer denn noch frisch sein könnte.
Dass es tatsächlich einen Klimawandel geben dürfte, dämmert zunehmend auch jenen, die sich seit Jahren in Witzeleien über Greta, lauere Sommerabende und Natur-Rückbau gefallen. Jüngst legte sogar schon der Landwirtschaftsminister von jener Partei, deren Chef noch vor drei Jahren von Österreichs unüberwindbarer Liaison zum Verbrennungsmotor schwärmte, Klimaschutz-Maßnahmen vor, die Umweltschützer zwar eh schon vor fünfzehn Jahren erdacht hatten, aber immerhin: klüger geworden. Wenn das so weitergeht, werden gar noch die immer-besorgt-und-böse-dreinschauenden-manchmal-sogar-kläffenden Politiker ihre Wortwahl von „Klimahysterie“ und „Klimaterrorismus“ überdenken oder die Dauerrelativierer ihre Thesen (Wer sagt denn, dass der Klimawandel wirklich vom Menschen gemacht ist, war immer schon mal heiß zwischendurch, wird schon wieder eine Eiszeit kommen) aufgeben. Und irgendwann kommen dann vielleicht sogar die Donald Trumps ins Schwitzen („Klimawandel ist der größte Betrug der Welt“, Zitat).
Aber ich möchte Sie als verdiente Leserschaft des KURIER-Reiseteils gar nicht mit schnöder Politik langweilen, während Sie vor sich hinschwitzen. Viel mehr möchte ich das einstige Konzept der Sommerfrische bewerben, das ja einst auch von konservativen Kräften geprägt wurde. Der Adel fuhr des Sommers aufs Land, um die Bewirtschaftung der Ländereien im Blick zu haben; das Bürgertum suchte im Ruralen das Liebliche, man wollte sich in einem Bild von Claude Monet oder einer Story von Jane Austen wähnen; und ja, es war auch damals dort schon schön kühler (und weniger stinkig) als in den Städten. Aber zum Glück trieb man weder durch Klimaanlagen in Stadtpalais und Autos noch durch Flüge für eine Wochenend-Coolcation (wie man heute zu „Sommerfrische“ sagt) jenes Problem voran, dem man zu entkommen versuchte. Diese Wechselwirkung von Ursache und Wirkung müssen wir derzeit noch ein bisserl begreifen lernen, scheint mir.
Wir müssen stattdessen die Sommerfrische wieder sanfter verstehen. Mit dem Zug oder dem Rad an einen kühle(re)n Platz tingeln. Weit auf einen Berg steigen oder tief in den See tauchen. Dort ist es noch frisch.
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