Demut auf Reisen: Wie schlecht geht es mir und wie den anderen?

Dass Reisende lautstark forderten, das Außenministerium müsse sie abholen, ließ mich ratlos zurück. Reisende müssen (wieder) resilienter und selbstverantwortlicher werden.
Axel Halbhuber
UAE-IRAN-US-ISRAEL-WAR

Das werden mir jetzt einige übel nehmen. Aber manchmal muss man nach Erschütterungen alles hinterfragen – auch sich selbst. Und ich glaube: Reisende müssen (wieder) resilienter und selbstverantwortlicher werden.

Wenn wir zum Beispiel wegen eines ausgebrochenen Krieges auf den Malediven oder Bali festsitzen, müssen wir unser Leid in Relation dazu stellen, dass im Kriegsgebiet gerade eine Mädchenschule bombardiert wurde. Das gebietet uns die Demut, das gebietet uns die Zivilisiertheit, schlussendlich gebietet es uns das Menschsein.

Zu dieser Relation gehört weiters zu verstehen, dass jene Österreicherinnen und Österreicher, die selbst in Dubai & Co. festsaßen, zuerst evakuiert oder zumindest bestmöglich betreut werden müssen. Dass Reisende, zum Beispiel eben auf den Malediven, via einiger Medien lautstark forderten, das Außenministerium müsse sie abholen, ließ mich ratlos zurück. Und ich sage ehrlich dazu, ich verstehe auch die Medien nicht, die sich für solch reißerische Geschichten (ohne Nachfrage) hergeben.

Nochmal: Zeitgleich starben Tausende Zivilisten in bombardiertem Gebiet und es saßen Touristen dort fest, wo Raketen einschlugen.

Aber wie wäre es, wenn wir in einem Krisenmoment einmal ruhig bleiben, unsere Lage im Gesamtdrama verorten und allen, die sich so anstrengen wie in diesen Tagen die Reisebranche, Lob aussprechen?

von Axel Halbhuber

Auch verstehe ich nicht ganz die Vorwürfe, die man Reiseveranstaltern und Fluglinien konkret macht, wenn wegen des Krieges der (Rück-)Flugverkehr lahmliegt. Diese Bombardements begannen Samstagfrüh und das bedeutete, dass alle sofort ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Wochenende in den Dienst gerufen haben – um dann tagelang Tausende Telefonate zu führen und nur für ein bisschen Schlaf nach Hause zu fahren. Ja, genau das ist passiert. Dabei waren Leitungen sicher mal blockiert, die eine oder andere Antwort kam nicht rasch genug und es sind wahrscheinlich sogar Fehler passiert. Aber wie wäre es, wenn wir in einem Krisenmoment einmal ruhig bleiben, unsere Lage im Gesamtdrama verorten und allen, die sich so anstrengen wie in diesen Tagen die Reisebranche, Lob aussprechen? Oder zumindest anerkennen, dass alles Erdenkliche getan wird, um möglichst schnell Reisende und Kunden heimzubringen.

Reisen ist nie unendlich planbar

Reisen ist nie unendlich planbar. Ich weiß ja nicht einmal sicher, wie lange ich mit dem Auto quer durch Wien brauchen werde, wieso glaubt man dann, dass die halbe Welt immer pünktlich zu umreisen ist? Es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren: Wenn es etwas Schönes ist (überraschend menschenleere Bucht), dann freuen wir Reisende uns daran.

Und wenn es etwas Hässliches ist, dann seien wir zuerst einmal milde und demütig. Dann suchen wir nüchtern nach einem Ausweg. Und wenn sich der erste Staub legt – dann arbeiten wir etwaige Fehler in Ruhe auf.

Axel Halbhuber und Lea Moser aus dem KURIER-Reise-Team sprechen im Reisepodcast Stadt.Land.Meer. über Reise- und Urlaubsziele - im Fokus steht immer ein Land, eine Region oder eine Stadt. 

Kommentare