Sakrale Orte um die Welt: Wenn mich irgendein heiliger Geist packt

Die intensivsten Erlebnisse an heiligen oder spirituellen Orten - eine Auswahl von Moscheen bis zu außergewöhnlichen Kirchen.
Axel Halbhuber
Temppeliaukio Church

Nach der Kolumne vorige Woche (ich schrieb darüber, dass viele Orte, besonders auch religiöse Stätten, eine dunkle Vergangenheit haben) wurde ich gefragt, ob ich erstens „ein Kirchenhasser“ sei – nein, ich versuche aus Prinzip, nicht zu hassen. Oder zweitens „so überkritisch“ – schon eher, man soll irgendwie alles hinterfragen, wurde mir beigebracht. Oder ich nicht drittens doch auch was Schönes an sakralen Bauwerken fände – und wie! Auf meinen Reisen bin ich sogar oft an solchen Plätzen hängen geblieben – ich bin so banausig, dass ich Kirchen und Co. oft nur nebenbei anschauen will und eher nicht im stundenlangen Studium jeder Engelsstatue verharre. Aber überraschend oft zwang mich eine spontan-spirituelle Schwere zum Niedersetzen und dann hocke ich so da ... meine intensivsten sakralen Orte:

Cao-Dai-Tempel, Tây Ninh/Vietnam. Auf vielen Tagesausflügen ab Ho-Chi-Minh-Stadt wird ein Stopp beim Zentrum des Caodaismus eingelegt: Diese erst hundert Jahre alte Religion kommt ein wenig schräg daher, zum Beispiel verehrt sie Isaac Newton und die Jungfrau von Orleans als „hohe Geister“. Aber wenn man einer der langen, aber hochspirituellen Zeremonien mit Dutzenden bunt-gewandeten Priestern im unglaublich kitschig-festlich-verzierten Cao-Dai-Tempel beiwohnt, fühlt man sich betört.

Temppeliaukion Kirkko, Helsinki/Finnland. Ganz ehrlich, ich weiß nicht einmal, warum. Aber die modern-expressionistische Felsenkirche im Stadtteil Etu-Töölö, in die man „unter die Erde“ hineingeht, hat mich nicht losgelassen. Und man ließ mich dort zwei Stunden lesend sitzen.

Temppeliaukio Church

Außergewöhnlich: die modern-expressionistische Felsenkirche in Helsinki.

Moscheen, ganz allgemein. Ich bin in arabischen Ländern oft von einem Gespräch mit Männern in einen Tee und weiter in deren Moschee gestolpert. Saß dann in Socken auf den weiten Teppichen, die Gespräche rissen nicht ab. Ich mag den Austausch in der bedächtigen Stille dieser Orte. Es ist mehr echtes Leben als in unseren Kirchen.

Western Wall, Jerusalem/Israel. Ähnlich ging es mir auch oft in Synagogen. Aber am meisten gefesselt haben mich Stimmung und Treiben vor der oft als „Klagemauer“ bezeichneten alten Tempelwand. Einmal blieb ich dort fast den ganzen Nachmittag in der Sonne sitzen.

Varanasi und Harmandir Sahib, Indien. In Indien entkommt man der Spiritualität und dem Räucherstäbchenduft ohnehin nicht. Aber wo viele, sehr viele, gemeinsam spirituell sind, wird es zugleich schön und erdrückend. Siehe an den Varanasi-Ghats am Ganges oder bei der täglichen Buch-Verlegung am heiligsten Ort der Sikh.

Voodoopriester, Ghana. Anfangs musste ich, Schande über mich, nur das Lachen unterdrücken. Aber als er mich – mit Augen wie Tischtennisbällen – bösest (!) angeschaut hat, war sofort die Ehrfurcht da.

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