In den Ferien können mal die Eltern was lernen
Auch wenn die Pfingstferien vor den Sommerferien nur wie ein „Gruß aus der Küche“ wirken, bekommt man durchaus Appetit. Eltern landauf und landab freuen sich auf die vielen Ferienabenteuer, die sie demnächst ganze neun Wochen (in Worten: neeeuuuuunnn Wochen!) mit ihrem Nachwuchs erleben dürfen. Diese Freude stellt sich irgendwann nach der Planungsphase ein, während der in komplex-tabellarischen Diskursen Lösungen dafür gefunden wurden, wie man neun Wochen (in Worten ...!) rumkriegt. Aber dann dominiert die Freude. Zu Recht.
Denn beim Reisen tun wir ohnehin, was kleine Kinder den ganzen Tag machen: Wir schauen hinter jede Ecke und verlieren uns in unbekannten Momenten, Gerüchen, Orten und Gesichtern. Wenn wir mit unseren Kindern reisen, erinnern sie uns wieder daran, gleich dem englischen Denker Gilbert Keith Chesterton, der vor hundert Jahren schrieb: „Der Reisende sieht, was er sieht. Der Tourist sieht das, weswegen er gekommen ist.“
Deshalb funktioniert Reisen mit Kindern nicht nur – sie sind sogar die besseren Reisenden. Weil sie keine Erwartungen haben, sind sie weniger enttäuscht. Und mitunter ehrlich unbeeindruckt, wenn es nicht zur Überwältigung reicht. Dann wenden sie sich pragmatisch dem Moment zu: inhalieren das Exotische, lassen sich vom Gefühl überwältigen, lauschen fremden Sprachen.
Das steht natürlich oft in krassem Widerspruch zu dem, was die Reiseindustrie für Familien geschneidert hat: Kinderklub. Kinderbuffet. Animationsprogramm. Kinderbetreuung. Alles schön und man darf ruhig ein aufatmendes Lächeln aufsetzen, wenn die eigenen Darlings den Kidsclub gar nicht mehr verlassen wollen. Aber schlussendlich kopieren diese Einrichtungen alle nur, was man eh von zu Hause kennt.
Die Angst mancher Eltern, dass es außerhalb dieser Zonen mühsam wird, ist unbegründet – solange man sich Zeit gibt. Kinder verarbeiten Erlebtes beim Spiel (Erwachsene tun das im Schlaf), deswegen brauchen sie programmfreie Pausen, manchmal einen ganzen Ruhetag. Als Vater oder Mutter zu stressen, weil es doch noch so viel zu sehen gibt, endet in Unmut.
Wenn man aber – ganz im Gegenteil – das Leben auf Reisen und im Urlaub passieren lässt, erkennt man vielleicht sogar, wie lächerlich die Kür, der wir auch mit den Kindern im Leben oft nachhetzen, manchmal neben dem puren Leben aussieht. Denn das lieben wir doch: das Pura Vida in Costa Rica, das italienische Dolce Vita, von mir aus sogar das Lei laffn lossn in Kärnten.
Lassen wir uns das alle in den Ferien mal wieder von den Kindern zeigen. Nur so eine Idee.
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