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Kolumnen
02/02/2020

Touchdown mit Kondom: Die Faszination von American Football

Vor dem Super Bowl: Wie ich einem zunächst völlig rätselhaften, faszinierenden Sport verfiel.

von Guido Tartarotti

Vielleicht gehören Sie ja zu den etwa 250.000 Österreichern, die morgen mit müden, eierlaberlförmigen Augen in der Arbeit sitzen. (Dass Sie einer von denen sind, die spontan an bösartigem Schnupfen erkranken, wollen wir Ihnen nicht unterstellen.)

Wenn dem so ist, muss ich Ihnen über die Faszination American Football nichts erzählen, dann sind Sie ohnehin längst infiziert.

Wie das Spiel ausgehen wird, weiß ich natürlich noch nicht. Aber ich gehe das Wagnis ein, mich festzulegen: Die Kansas City Chiefs werden gewinnen. Sie haben die um eine Spur bessere Defense (und die gewinnt, wie wir alle wissen, Meisterschaften). Und sie haben mit Patrick Mahomes einen außergewöhnlich begabten Quarterback.

Und – das ist jetzt keine gewagte Prognose – wir werden ein besseres Spiel sehen als das elende 13:3 der Patriots gegen die Rams vor einem Jahr. Die Chiefs und die San Francisco 49ers zeigten in den Play-offs hoch attraktiven Football.

Schwanger vom Fumble?

Als ich vor etwa 25 Jahren meinen ersten Super Bowl im Fernsehen sah, hatte ich vom Football keine Ahnung, mich interessierten eigentlich nur die Halftime-Shows. Die englischen Fachbegriffe des Football klangen für mich wie Codes für sexuelle Inhalte:

Ja, der Kevin-Alois fragt, ich bin jetzt 13 Jahre und beginne langsam, mich für Mädchen zu interessieren. Und jetzt wollte ich wissen: Was genau ist ein Fumble? Kann meine Freundin davon schwanger werden?

Lieber Kevin-Alois, vom Fumblen kann niemand schwanger werden, übrigens auch nicht vom Play Action Fake. Probiere es doch einmal mit einem Snap mit anschließendem Tackling an der Line of Scrimmage. Touchdown mit Kondom heißt übrigens Safety und verhindert ein First Down.

Aber als mein Sohn später begann, Football zu spielen, war es um mich geschehen. Wieder ein paar Jahre später bemerkte ich, dass ich während der Spielzüge begann, auf die Defense zu achten – ein verlässliches Zeichen dafür, dass man beginnt, ein bisschen zu verstehen, worum es in diesem Spiel geht.

Gerade darin liegt die Faszination von American Football: Das Spiel ist so enorm variantenreich, dass man ihm ein ganzes Leben widmen kann, ohne es auch nur annähernd in seiner ganzen Pracht zu verstehen.

Lustigerweise reagieren viele Menschen aggressiv auf Football – Amerikanisches gefährdet in ihren Augen die eigene Identität. Sie seien beruhigt: Man kann Footballfan sein, ohne deshalb Skifahren zu verlernen.

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