Leben in der Großstadt
Fast 45 Prozent der Weltbevölkerung leben laut Angaben der Vereinten Nationen heute in städtischen Gebieten. Wien ist mit der inzwischen erreichten Einwohnerzahl von zwei Millionen noch ein „Winzling“ gegenüber Städten wie z. B. Jakarta (42 Mio.) oder Shanghai (30 Mio.).
Gleichzeitig wächst in diesen städtischen Siedlungen die Anzahl der Menschen, die unter Einsamkeit und Isolation leiden. Trotz permanenter digitaler Vernetzung erleben sie mangelnde Nähe zu ihren Nachbarn und fehlende Gemeinschaft. Das Gefühl, nirgendwo dazuzugehören, das Fehlen emotionaler Unterstützung in schwierigen Zeiten und der Mangel an Orten für echte Begegnung hinterlassen Spuren in der menschlichen Seele. Die Einsamkeit wirkt sich besonders auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen aus.
Was wirklich fehlt
Dass der Papst betet, überrascht wohl niemanden. Aber dass er jeden Monat ein neues Gebetsanliegen an alle Menschen guten Willens richtet, ist selbst unter regelmäßigen Kirchgängern Geheimwissen. Für den Monat August heißt sein Anliegen: „For evangelization in the city“.
Bei dieser Gebetsbitte geht es aber nicht um neue wortgewaltige Volksprediger wie einst Abraham a Santa Clara oder Marco d’Aviano. Der Papst betet um Menschen mit einem kreativen und tiefen Glauben, der nicht bei Worten stehen bleibt, sondern in einfachen und liebevollen Gesten der Nähe zum Ausdruck kommt.
Er lädt ein, in den Städten zu Zeugen Gottes zu werden, die mutig mit ihrem Leben die Liebe Gottes verkünden. Eine Liebe, die Hektik, Lärm und Anonymität zu überwinden vermag. Das deutsche Wort „Evangelisierung“ klingt sehr verkopft. Aber „Zeugnis in Taten zu geben“ ist da schon viel zugänglicher. Das erinnert an jenen Satz, der dem heiligen Franz von Assisi zugeschrieben wird: „Predige das Evangelium zu jeder Zeit, wenn nötig, auch mit Worten.“
Zum Autor: Toni Faber ist seit dem Jahr 1997 Dompfarrer und Cityseelsorger in Wien. eMail: a.faber@edw.or.at
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