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Früher war alles besser: Heute schimmeln die Zitronen

Von Zitronen bis Flip Flops: Warum halten die Dinge nicht so gut wie einst, fragt sich Angelika Niedetzky.
Angelika  Niedetzky
Verschimmelte Zitrone.

In einer früheren Kolumne meine ich es bereits ansatzweise erwähnt zu haben, da es mir aber aus brandaktuellem Anlass abermals keine Ruhe lässt, widme ich dem Thema erneut ein paar ausführlichere Zeilen. Es geht um Zitronen. Und um Avocados. Um Handyakkus, Flip Flops, Basilikum, Sofas und Geschirrtücher.

In jedem Netz Zitronen, das ich kaufe, wird mir eine schimmlig. Jede zweite Avocado ist schlecht. Früher konnte ich mit einem vollen Handyakku fast eine Woche durchtelefonieren. Ja, ok, ich gebe zu, manchmal trübt einen die Erinnerung. Aber erschlagen hätte ich allemal wen können mit dem Nokia 6210, an das erinnere ich mich sehr genau. Ich habe auch lokale Tests durchgeführt. Wien, innere Stadt. Billa Corso. Biozitronen. Zwei Tage später eine schimmlig.

Oberösterreich, Traunkirchen, im Minimarkt Zitronen erhascht. Drei Tage später eine schimmlig. Sogar länderübergreifende städtische und ländliche Tests konnten mich vom Gegenteil nicht überzeugen.

Flip Flops

Ich hatte vor vielen Jahren Flip Flops, mit denen war ich zwar nicht bergwandern, aber ein paar Dünen entfernter Wüsten mussten sie an meinen Fußsohlen schon erklimmen. Auch bestritten genau diese Schlapfen steinige Pfade in einsame griechische Buchten. Das war früher möglich! Heutzutage nicht mehr vorstellbar! Allein beim Gedanken an so einen Ausflug reißt der Zehentrenner.

Wer kann sich noch daran erinnern, dass ein kleines Basilikumstöckchen aus dem gemeinen Supermarkt weiter gewachsen ist zu Hause? Ich! Aber die wachsen schon lange nicht mehr! Einmal abgegrast, ist Sense!

Die guten alten Zeiten

Die Rolf-Benz-Couch meiner Eltern aus den 70ern musste nach Jahrzehnten einer neuen weichen, aber nicht etwa, weil sie durchgesessen war! Ein Lineal hätte man an der Oberseite der Sitzfläche ziehen können, und meine Familie besteht seit jeher bei Gott nicht ausschließlich aus federleichten Gazellen. Nein, man verkleinerte sich räumlich, und das wunderschöne, auch farblich topaktuelle Sofa wanderte zu mir, hielt meinem Allerwertesten noch ein paar Jahre stand und wanderte für weitere fünf Jahre noch zu einer Freundin.

Als wir vor Kurzem das Haus der verstorbenen Mutter einer sehr guten Freundin entrümpelten, stieß ich auf so manche Schmankerln. Geschirrtücher geschätzt aus den 80er-Jahren von einer Qualität, dass ich mich vor Glück niederkniete vor den quadratischen Meisterwerken ihrer Art. Griffig, saugstark, die optimale Größe, haptisch 1A, nicht kratzig, nicht zu weich, da stimmt einfach alles! Ich möchte jetzt niemanden mit meiner Ausführung über die Handtücher aus den 60ern langweilen, denn es passierte mir in dem Moment, in dem ich mich um ein solches bückte, eine zu hastige Bewegung, und ein Nerv war eingeklemmt. 

Jaja, ich bin zwar auch aus den guten alten 70ern, aber nicht mehr ganz so sau(g)stark, wie anno dazumal.

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